Okt 31

“Voll bepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen, …” — der Supermarkt ist Quell der Freude, Wegbereiter fürs Wochenende und Spender leiblichen Wohls.

So zumindest kennt man die Rewes, Spars und Edekas unserer Breiten- und Längengrade. Seit meiner Kindertage habe ich den Supermarkt immer als Ort der Versuchung wahrgenommen, in dem man sich bremsen muss,  um nicht zu sehr zur Kasse gebeten zu werden, weil der Hunger wieder einmal mit shoppen war.

Mit dieser Einstellung betritt der geneigte Westler den Food-Bereich eines hiesigen Lebensmittelhändlers und staunt nicht schlecht und kommt aus diesem auch bei weitem nicht so schnell wieder heraus wie aus dem Laden selbst.

Und dabei fängt alles noch sehr verheissungsvoll an: Auf chinesisch direktem Weg muss man zum Eingang nur vorher eine Etage Rolltreppe nach unten fahren, planlos rumlaufen, wieder eine Etage nach unten roller, den versteckten Eingang finden, einmal quer durch den Laden laufen und am Ende der Hygieneabteilung wieder eine Rolltreppe nach oben tuckern. Dann ist man auch schon da. Hoffentlich hat man an den Wagen gedacht, sonst muss man sich durch einen Indoor-Bazaar kämpfen, wieder eine Rolltreppe nach oben rödeln, aussen um die Frontseite des Gebäudes joggen, drinnen erneut zwei Rolltreppen runter, jetzt weiss man das ja, dann einmal quer durch den Laden auf der Suche nach den Einkaufswagen, wieder umdrehen, zurück auf halbem Weg einfach jemandem einen klauen… der Rest ist bekannt.

Auf dem von mir “Rolltreppe der Versuchung” getauften Schnarchband tuckert man dann MIT Wagen bei 1km/h solange an Chips- und Kekstüten vorbei, bis man, oben angelagt, völlig wahnsinnig drei bis elf dieser Dinger an sich gerissen hat und nur von Glück sagen kann, dass der Rest des Ladens einem den Heisshunger wieder austreibt:

Es gibt keine Wursttheke. Keinen Aufschnitt, nix mit Nutella. Margarine Fehlanzeige, Tomatensuppe is nich, Paprika, Gurke und dergleichen Exotisches such ich noch. Sehr einfach zu bekommen ist auf der anderen Seite alles mögliche in getrockneter Form. Auch Dinge, die man eigentlich gar nicht trocknen kann. Und wer lebendiges Essen mag, wir hier vom kleinsten Fisch bis zur Schildkröte fündig. Es gibt Köpfe, Füße, Schwabbeliges, Gnubbeliges, Dinge mit Stacheln, mit Noppen, mit Frisur oder ohne, mit Flossen, Schuppen, Augen. Sogar plattgefahrene Enten.

Und von einer Gattung gibt es einfach endlos viel: “Dinge, die ich nicht kenne, 600″. Und so ist meine Ausbeute bis heute nur ein 5L Kanister Quellwasser, ein Block Butter, 6 Weissbrotkringel und eine Erbeermarmelade. (Haltbar bis 07/2008, womit sie die frischeste im ganzen Regal war). Mein Kühlschrank schüttelt noch immer mit dem Eisfach.

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Okt 31

Es gibt unzählige — hohe Häuser und die Momente, in denen man sie plattfotografieren möchte. Peking hat schätzungsweise (nicht repräsentativ) 2.500 davon, Hamburg vielleicht sieben.

Ein ‘kleines’ New York, ein Anflug Kuala Lumpur, die Prise London, garniert mit Hong Kong und alles durch den Drehwolf des Wahnsinns namens Selbstverwirklichung gedreht. Wer die sichtbare Profilierung von Architekten schätzt, wird hier lange glücklich.

Und so ist nicht allein die Tatsache, dass unser Büro direkt neben dem größten Turm dieser Stadt steht dafür verantwortlich, dass sich mein Objektiv gerne und oft gen Himmel richtet. Wenn das Wetter mitspielt und die Sonne richtig steht, offenbart sich manch interessantes Spiegelkabinett.

Leider nur treffen Wetter, Licht und freie Zeit recht selten aufeinander. Hier dennoch eine winzige Auswahl baulicher Impressionen, die sicherlich über die kommende Zeit forgeführt werden will. Nicht alle Bilder sind wirklich sehenswert, aber alle vermitteln ein gutes Bild davon, wie sich Peking dem Betrachter präsentiert.

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Okt 29

Was wäre ein Besuch in Peking, ohne sie probiert zu haben: die “Beijing kǎo yā”?

Und so musste er gestern ran, der Vogel, den man auch in Deutschland auf der Karte beim Chinesen um die Ecke finden kann. Nur sieht er dort halt deutlich anders aus.

Alles fing an mit dem vermummten Koch, dem das Messer an die Hand gewachsen sein musste, und der das noch am Stück befindliche Tier wie im Fluge vor unserem Platz in mundgerechte Stücke schnitt.

Die Ansammlung an Gemüse, Soßen und sonstigem auf dem Tisch ließ bereits vermuten, was wir eh schon ahnten: Eine traditionelle Pekingente haben wir bislang noch nie in unserem Leben gegessen.

Und so gestaltet sich das Verspeisen derselben dann auch eher überraschend: Wie die Fajita beim Mexikaner oder die Gyros Pita beim Türken. Zwei oder drei der dünnen Entenscheibchen werden auf einem Teigfladen drapiert oder in eine -tasche eingesteckt, mit Gemüsestreifen flankiert, pulvrig bestreut und mit Soße hinter den krustigen Ohren eingerieben. Dann zusammengelegt oder gefaltet, mit den Händen gegriffen und zugebissen. Eine willkommene Abwechslung im Land der Besteckstelzen.

Geschmackliches Fazit: Sehr lecker, wird jedoch im Wettkampf der aromatischsten Gerichte nicht auf den vorderen Plätzen landen. Dazu hat China einfach viel zu viel Auswahl an unbekannten Gaumenfreuden zu bieten.

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Okt 28

Nachdem in Deutschland am Wochenende die Zeit umgestellt wurde, gilt ab sofort, dass Deutschland erst sieben Stunden nach China morgens aus dem Bett fällt, denn eine Sommer/Winter Zeitumstellung gibt es hierzulande nicht.

Vielleicht liegt das ja daran, dass man wahrlich winterliche Temperaturen hierzulande noch immer vergebens sucht, wenngleich es abends dann doch schon mal eine Jacke sein darf. Aber sicher dünner als in Hamburg.

Okt 28

 

Die Wirtschaft findet, genau wie das Leben selbst, immer einen Weg. So auch in Bezug auf die Ein-Kind-Politik der chinesischen Regierung.

Wie sonst ist dieses von Hannes entdeckte Fundstück der Woche zu interpretieren: Kondome der Marke Trojaner.

Also schön die Quittung aufbewahren und bei Strafandrohung der Regierung vorzeigen und fertig ist die Entschuldigung für die chinesische Kleinfamilie Li: Wir konnten nichts dafür, wir haben schließlich verhütet. Keine Ahnung, wie das passieren konnte.

Okt 28

Sie tauchen abends vor den großen Hochhäusern und auf weiten Plazas auf. Sie versammeln sich, für den Kick, für den Augenblick. Und sie tanzen. Walzer, Tango, Cha-Cha. Laut hallt ihre Musik wider von den stummen steinernen Zeugen ihrer Tat. 

Sie sind die Tanzgangs Pekings, eine Oase klassischen Lebensgefühls; der glimmende Funken Emotionalität in einer Stadt, die den Wandel liebt, sich dem Fortschritt verschrieben hat und für Menschlichkeit nicht bremst. 

Ist es Zufall, dass man sie nicht fotografieren kann? Der mobile Ballsaal wandelt sich augenblicklich zu einer Gruppe diffus umherstehender Passanten, sobald man bereit ist, den Auslöser zu drücken. Und wenn sie weiter tanzen, steht jemand vor der Linse, ist die Speicherkarte voll oder streikt die Kamera. Vielleicht ist dies ein Abbild ihrer Tat, denn ein Gefühl lässt sich nunmal nicht festhalten, sondern nur leben. Und so verschwinden sie auch sehr bald wieder dorthin, von wo sie gekommen sind, um an einem anderen Tag an einem anderen Ort wieder aufzutauchen. Es gibt Dinge, die muss man nicht weiter verstehen.

Okt 27

Die Woche 2 im unsortierten Momenteüberblick.

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Okt 27

Als man 1420 die bis heute größte Tempelanlage Pekings errichtete, um dort Himmel und Erde zu verehren, dürfte der Himmelstempel die höchste von Menschenhand geschaffene Erhebung der Gegend gewesen sein.

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Heute wird die Parkanlage Tiantan zu allen Seiten in gewisser Entfernung von Wolkenkratzern umsäumt, die der eigentlich weitläufigen Anlage eine seltsame Beschaulichkeit verleihen. Zum Glück gibt es viele Bäume und Mauern, so dass man vom wirren Altagsleben draußen nicht viel mitbekommt.

Der Besuch des Himmelstempels war eine spontane Superidee von Emma. Eine spontane dumme Situation war nur, dass ich aus nicht nachvollziehbaren Gründen keine Kamera dabei hatte. Insofern gibt’s diesesmal leider nur Handyfotos.

Okt 27

 

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Sie sind ausgeflogen, Olympia ist vorbei. Und zurück bleibt das leere Nest. So zumindest dachten wir, als Hannes und ich aus der U-Bahn stiegen, um den stahlgewordenen Geist der Spiele zu besichtigen. Nicht gerechnet haben wir mit Chinas Nationalgericht: dem Pustekuchen.

Zusammen mit 832.024 anderen Menschen stapften wir dann also zwischen den Stadien umher, als wäre das Spektakel noch in vollem Gange. Und irgendwie war es das auch, wenn man sich die fotografierenden Massen so ansah. Inklusive olympischer Demo übrigens, die ich mir dann doch einfach nicht verkneifen konnte.

Fazit des Besuchs: Beeindruckende Anlage, leider jedoch mit einer gewissen emotionalen Kälte und formaler Arroganz. Leider war der gesamte Kerzenhalter für das olympische Feuer schon abgebau, so dass das Vogelnest an sich nurmehr eben halt das war, was es ist: Ein Sportstadion.

Okt 23

Wenn die große gelbe Scheibe der Wärme an einem Tag wie heute untergeht, bietet sich dem maulaffenfeilhaltenden langnasigen Möchtegern-Expat folgendes Szenario:

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle bildhaften Reproduktionen der hiesigen Abendromantik sind sponsored by Hannes’ Auslösefinger auf seiner Nikon D200, sowie by Regen und Wind, die gestern Abend und über die Nacht wie in trauter hamburger Einheit den Smog vertrieben haben.

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