Hätten sie auch noch so sehr den Thron vedient – St. Kilda musste sich Geelong in den letzten Minuten des 4. Quartes geschlagen geben. Aber was für ein Grand Final!
Es ist zwar kein Geheimnis, aber für den folgenden Beitrag muss ich es noch einmal deutlich
sagen: Ich bin kein Freund des europäischen Fussballs, und ich möchte alle Fussballfreunde bitten, die folgenden offenen Worte zu entschuldigen.
Natürlich habe ich zur WM die klassischen ‘…schland’-Lieder gesungen, mein 1974 Vintage Adidas-Trikot getragen und auch zur EM mitfiebernd beim ‘Öffentlichen Schauen’, also Public Viewing auf die Leinwandprojektionen gestarrt. Es war fantastisch, irre spannend und wird für immer eine tolle Erinnerung sein.
Länderkämpfe sind spannend. Schon allein deshalb bevorzuge ich die olympischen Spiele. Schnell-Rumlaufen, auf Stangen geschobene Eisenscheiben in die Luft halten oder die Wasseroberfläche mit langen Holzpaddeln verhauen: unter dem Mantel der altgriechischen Athleten-Ehre erscheinen all diese Sportarten plötzlich interessant. Hier treten Fahnen gegeneinander an, werden Hymnen gespielt, geht es um den Wettkampf der Nationen.
Fernab dieser Großereignisse verlieren jedoch viele dieser spielerischen Schlachten ihren Reiz. Und im Falle von Fußball karikieren sie sich sogar selbst. Mein liebstes Beispiel: Wie kann man während der WM oder EM auf die Holländer schimpfen und ihnen das schnellste Versagen der Geschichte wünschen, um dann eine Handvoll Wochen später denselben Spielern
biergeschwängert grölend ewige Treue schwören, wenn sie in HSV-Farben ins Volksparkstadion (= BlaSponsorBla Arena) eintraben? Das entbehrt nicht einer gewissen Schizophrenie. Ein paar weitere Wochen später läuft die millionenschwere Wechsel-Dich Maschinerie an und besagter Balltreter findet sich plötzlich in einem anderen Verein wieder. Ein Kollege eines verfeindeten Clubs nimmt indes seine Stelle ein und ist einfach so ein Freund der anderen zehn.
Was ist ein HSV, Werder, Bayern München oder sonstiger Verein noch, wofür steht er? Nicht nur Spieler und Trainer wechseln mindestens jährlich und kommen aus aller Herren Länder. Sogar die Teamfarben werden verfälscht. Neuer Sponsor = neues Hemd. Da sieht ein Spieler aus Bremen auch mal gerne den Holländern ähnlich, weil er recht viel Orange auf dem Lätzchen trägt. Dieser Spieler ist dann vielleicht noch dunkelhäutig und des Deutschen kaum mächtig. Ob der überhaupt eine Ahnung hat, wofür “Sspitzer Sstein” steht? Was weiss der eigentlich von Bremen? Oder Deutschland?
Vielleicht sollte man den Begriff ‘Deutsche Bundesliga’ überdenken und die Teams nur noch durchnummerieren: ‘Sammelsurium 1, Sammelsurium 2, …”. Aber wir kommen jetzt doch arg vom Thema ab. Und wie bereits erwähnt: Meine Beziehung zum europäischen Fussball ist eher brüchig und viele Leute sehen das ganz anders. Wahrscheinlich mit Recht. Die Fussi-Dissonanz entspringt auch aus einer persönlichen Frustration. Es ist aber wirklich zu nervig, wenn man nie mitreden kann, weil es einen nunmal absolut nicht interessiert. Verdammte Bratwurst.
Hier im Land von Reis und Tee hat Fussball ebenfalls eine wachsende Bedeutung, kommt aber noch nicht so recht aus den Kinderschuhen heraus. Zweifellos wird es noch eine Weile dauern, bis ein international starkes Team erwächst. In der Zwischenzeit ist man mit den Nationalsportarten Badminton und Tischtennis sehr zufrieden. Gähn.
Welch ein glücklicher Umstand also, wenn man Menschen kennt, die “untendrunter”, also Down Under geboren wurden und den neugierigen Noreuropäer mit in die Bar nehmen, um gepflegt AFL zu schauen. Von deren Existenz hatte dieser bis dato keinen blassen Schimmer. Das dieser “Australian Football League” zugrunde liegende Spiel ist gelinde gesagt faszinierend und mitreissend. Und da das gestrige Grand Final die australische Sommerpause einläutete, bleiben nunmehr jetzt Zeit und Gelegenheit, das 1858 eingeführte viktorianische Fußball dem möglicherweise ebenso unbefleckten geneigten Leser näher zu bringen.
Das Spielfeld ist ein Oval, das mindestens 150m lang und 135m breit sein muss. Mindestens. In der Tat sind viele Heimfelder der Teams ganz individuell in Länge und Breite. Als regelgewöhnter Europäer (Stichwort Grashalm-Längenvermessung der FIFA) findet man daran zunächst Anstoß, entdeckt aber später eine ungewohnte Konsequenz des Begriffs “Heimvorteil”, die ganz neue Perspektiven eröffnet. Die an den spitzeren Enden des Ovals liegenden Tore bestehen aus vier vertikalen Pfosten. Und wie bei den meisten Footballarten ausser der europäischen Variante ist das Punktesystem etwas breiter gefächert. Vereinfacht kann man sagen, dass ein nicht abgefälschter Kick durch die beiden mittleren Pfosten 6 Punkte und durch die Seiten nur einen einzigen Punkt bringt.
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