Dec 30

“Gott, dauert das immer so lange hier”?
“Ja, nervig, die haben einfach kein System”.
“Schlimm. Wer’s nicht kann, sollte einfach kein Restaurant aufmachen”.
“Absolut. Eine Frechheit ist das”.
“Übrigens, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Meyer”.
“Angenehm, Schulze”.

Wer bei dem obigen, verkürzt dargestellten Dialog ein warmes Gefühl im Bauch spürt und sich am liebsten auch gleich vorstellen möchte, der ist vor allem eines: ein Deutscher.

Göthe sagte schon so schön “Mit dem Wissen wächst der Zweifel”. Und seinen Kindeskindern gereicht das als Mantra. Der Zweifel nährt die Kritik, womit Nörgeln im Allgemeinen, im Speziellen und über alles und jedes zum Selbstverständnis wird. Dabei ist es oft gar nicht so gemeint. Es dient vor allem dazu, eine gemeinsame Basis zu finden, eine Verbindung zwischen zwei Fremden. Du genauso entrüstet wie ich? Klasse, wir Freunde.

Herr Johnson macht das ähnlich. Nur geht es bei ihm über den Pluspol: das gemeinsame Feiern des absolut greatest Day im Life und die Gewissheit, man sei noch nie sowas von fine gewesen. Helau in allen Gassen, da sind die imaginären Pom Poms immer im Anschlag.

Herr Li schlägt ganz andere Töne an. Und zwar wörtlich. Man sollte sich in seiner Gegenwart mit allzu deutschen Beschnüffelungen zurückhalten. Herrn Li irritieren diese, denn er ist es nicht unbedingt gewohnt, sich Fremde durchs Meckern zu Freunden zu machen. Insbesondere wenn man sich in seinem Land aufhält, nimmt er um sich greifende Kritik möglicherweise sogar persönlich.

Für ihn gibt es dagegen zwei sehr etablierte Verbrüderungs-Rituale. Diese bedeuten dem durchschnittlichen Westler einerseits Kopf- und andererseits Bauchschmerzen. Obwohl keines der beiden auch nur im Geringsten etwas mit Kung Fu zu tun hat.

MaotaiphotoVariante 1 ist der 白酒 bzw. Báijiǔ. Wahlweise auch Sagrotan, aber das ist subjektiv. Das Getreide-Schnaps Derivat kommt aus derselben benebelten Ecke wie Korn, Obstler und Vodka. In China ist es DAS Getränk schlechthin. Es gibt den Baijiu in vielen Varianten, sein Alkoholgehalt pendelt je Marke um 55%, sein Preis zwischen Gut und Böse. Und er hat das Wort ‘Ganbei’ geprägt, das viele Ausländer als ‘Prost’ missverstehen. Dabei steht ‘gan’ für ‘machen’ und ‘bei’ für ‘Norden’. “Nach Norden machen” beschreibt in diesem Fall den Glasboden und heisst also “auf Ex”.

Randnotiz: Bitte keinem Chinesen mit ‘Ganbei’ zuprosten und dann nur vorsichtig anschlürfen. Es sorgt für wenig Gegenliebe, wenn dieser den Kopf aus dem Nacken nimmt und feststellt, dass er als einziger sein Glas geleert hat. Trinken ist eine ernste Angelegenheit und vor allem mit traditionell eingestellten Chinesen eng mit Ehre verbunden.

Im Falle von Baijiu ist Ganbei jedoch Programm. Und zwar, bis einer der Teilnehmer die Tischkante von unten sieht. Da darf man sich wieder jung fühlen und an die Trinkspiele der Jugend erinnern. Tags darauf fühlt man sich hingegen meist deutlich gealtert.

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Dec 9

Wenn Herr Müller eine Party gab, hat er früher immer eine eine Karte gemalt, damit Herr Meier und Herr Schultze auch wussten, wo sie hin mussten.
Das war sehr hilfreich.

Nur war die Karte nach einiger Zeit und unzähligen Durchläufen auf dem Kopierer etwas schwer lesbar. Dann mussten Herr Meier und Herr Schultze manchmal anhalten und jemanden fragen.

Müller Junior hat es da heute etwas einfacher. Wenn seine Eltern mal auf einem Kegelausflug sind, schickt er einfach fix einen Link per Google Maps und die Fräuleins Meier und Schultze wissen genau, wo er wohnt. Keine Fragen offen.

Der Segen des Internets liegt für viele in den bestechend einfach zu bedienenden Karten-Applikationen von Google, Microsoft und dergleichen. Auf der Karte suchen, im Satellitenmodus kurz die Optik checken, alles ausdrucken und ab geht’s. Mann kann sich sehr schnell dran gewöhnen.

Bis, ja bis man in China ankommt. Für den nicht der Landessprache mächtigen ergibt sich ein bunter Strauss Probleme, von deren Existenz er nicht einmal zu Albträumen gewagt hat.

nanluoguxiangEin klassischer Fall: Man bekommt noch in Deutschland die Adresse des Büros in Peking geschickt: 南锣鼓巷8号.
Der eigene Rechner vermisst dummerweise den chinesischen Zeichensatz, so dass man nur kleine Quadrate sieht. Wahlweise auch viele Fragezeichen. [wenn dort oben keine chinesisch aussehende Adresse zu lesen steht, ist genau das auf dem PC des geneigten Lesers der Fall]. Man fragt nach und bekommt die Adresse nocheinmal, diesmal in Pinyin Schreibweise, also mit für westliche Augen lesbaren Buchstaben: 8nanluoguxiang.

Chinesiche Wörter werden ohne Leerzeichen aneinander gereiht. Die Dame im Pekinger Büro klatscht also alles zusammen, wie sie es gewohnt ist. Groß- und Kleinbuchstaben gibt es bei ihr ja auch nicht.
Man wundert sich,wie lang der Strassenname ist und ob das ein einziges Wort sei, kopiert ihn aber geschwind in Google Maps. Dort findet man prompt…nichts. “No results found” heisst es und das war’s.
Also wieder Rückfrage im chinesischen Büro. Können die denn ihre eigene Adresse nicht?

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Nov 25

“a, e, i, o, u” – ein Vokal hat es gut bei uns. Als warm wird er empfunden, als ehrlich und angenehm. Die deutsche Sprache ist voll von Vokalen. Ließe man sie weg, wäre man schnell bei Tschechisch, ukrainisch oder Südpolnisch. Und das klingt in unseren westlichen Ohren hart und unangenehm.

aeiouGut, Konsonanten braucht es auch. Würde man diese weglassen, klänge ein jeder von uns wie ein sabberndes brabbelndes Baby. Niedlich zwar, aber wenig sinnvoll für die Verständigung.

Der Vorteil an der Kombination der beiden ist unübersehbar. Es lässt sich damit beinahe jedes Wort so niederschreiben, dass der Nachbar es phonetisch reproduzieren kann. (wir lassen hier einmal kultur- und dialektbedingte Unterschiede in der Aussprache ausser Acht)

Ein weiterer, oft vernachlässigter Vorteil dieses Systems ist die Möglichkeit, neue Worte zu erfinden, die wiederum andere direkt lesen und aussprechen können. Und durch Ableiten von Wortähnlichkeiten können sie in diesen neuen Begriffen sogar oftmals sofort Sinn erkennen. “Fluxkompensator” beispielsweise. Dieser scheint einen irgendwie gearteten Fluss auszugleichen. Vielleicht weiss man zunächst nicht mehr als das, ist aber zumindest schon einmal darüber informiert, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um ein Frühstücksei handelt.

Ein Nachteil des Buchstaben-Reigens ist die absolute Notwendigkeit, jeden Ton durch einen Alphabet-Teilnehmer repräsentieren zu lassen. Das führt dann gerne mal zu Bandwürmern wie diesem hier: “Suppenlöffelstielholz”. Das erfahrene Plappermaul sieht hier 4 Wörter in einem. Der weniger erfahrene hingegen muss sich durch 21 aneinander gereihte Buchstaben kämpfen. Und beide bekommen leichte Verspannungen im Handgelenk, wenn sie das Wort zehnmal aufschreiben sollen.

Unser Herr Li hat hier ebenso wie Herr Nakamura und andere Mitspieler des Linguistik-Clubs “Welt SüdOst” ein anderes System erdacht. Kaya Yanar würde es sicherlich als “Guckst Du, dann weisst Du” bezeichnen und träfe mitten in die schwarze Tinte. Nun, wenn man denn weiss, wie man gucken muss.

Die chinesischen Schriftzeichen sind von der Grundidee her weniger abstrakt als unser Alphabet, da sie Logogramme, also Wortbilder sind. Höhlenmalerei deluxe sozusagen. Im Laufe der Jahrtausende haben diese Logogramme jedoch eine ganze Reihe an Schriftreformen und optischen Vereinfachungen hinter sich. Die heute verwendeten Symboliken sind für das ungeübte Auge kaum mehr als Wortbilder zu erkennen. Natürlich liegt das auch daran, dass man die historische Genese der Kombinationslogik verschiedener Symbole nicht kennt oder nachvollziehen kann. Manches jedoch ist so bestechend einfach, dass man sich ein Schmunzeln nicht verwehren kann.

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Nov 21

Die Sonne bricht mit ihrer üblichen Kraft durch die Vorhänge. Selbst die zweite, dickere Lage kann sie nicht davon abhalten, die Nachricht zu überbringen, die ihr so sehr am flammenden Herzen liegt: Guten morgen, es ist Samstag!

Und der Samstag beginnt fast immer gleich – Ein vorsichtiges Blinzeln aus dem Fenster mit der leichten Smog Patina, ein erster Blick auf das dreiundzwanzig Stockwerke tiefer liegende verschlafene Hauptstädtchen.

Alles ist chinesisch still. Das Adjektiv muss sein. Nach deutschen Massstäben wäre es stadtlaut. Wie die Hamburger Innenstadt um 20:03 Uhr etwa, wenn die Läden schliessen und Menschen nach Hause strömen, um ihrem erbeuteten Gut zu huldigen oder in die Restaurants zum Abendessen pilgern. Nicht wirklich ruhig, aber auch kein lärmender Berufsverkehr mehr.

Für die teilverbotene Stadt gilt dieser Zustand als absolute Stille. Der Samstag beginnt also freundlich. Jede Woche. Immer wieder.

Von der verglasten Südseite des Apartments führt der Weg direkt zur Dusche. Das heisst, zunächst noch den Wasserspender anschalten. Kaltes auf gähnenden Magen trinken ist in China ja praktisch verboten.

In jedem Fall aber führt der Weg nicht wie in Deutschland in die Küche zum Wochenend-Schlachtfeld: der Einkaufsliste für den Samstag. Man mag über die 7-Tage Woche arbeitsrechtlich denken, was man will. Aber sie erleichtert den Büroknechten um einen der penetrantesten Stressmomente.

Im Anschluss an epidermialer Furchenzählung und vercremten Restaurationsversuchen dann der einzig herausfordernde Moment des Tages: wohin zum Frühstücken?
Die fernöstliche Umsetzung des Rama Spots von der Gemütlichkeit zuhause scheitert leider an daran, dass es nicht nur keine Rama, sondern auch keine Brötchen gibt. Zumindest keine, die man als solche bezeichnen möchte.

Es gibt zum Glück The Beijinger, That’s Beijing, City Weekend, Time Out und ähnliche monatlich erscheinende Publikationen, die den Expat über die kulinarische Lage der Wahlheimat auf dem Laufenden halten. Da findet sich immer was.

Also raus aus dem Haus und erstmal tief die frische Luft* (Zustand von der Redaktion geändert) eingeatmet. Hallo Welt.

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Nov 7

(English below)
Dieser Eintrag sticht ein wenig aus den übrigen heraus. Ich möchte ein wenig meinen Wissensstand beim Thema “Handy in China” teilen und versuchen, anderen Expats oder Besuchern zu helfen, das Dickicht der verschiedenen Mobilfunk-Dienste von Anbieter China Mobile zu durchblicken und vor allem die Frage nach dem Internet auf dem Handy zu klären. Der Eintrag ist deshalb auf Englisch.

I want a phone service with Internet!
So, you’ve come to China, made it through the first encounter with a taxi driver and even got your working permit and visa straightened out.

Now you want to quit paying those roaming fees with your foreign phone provider, but you have no idea what to get instead. All your persuasions didn’t help: your company is not going to provide you with a SIM card that they paid for. So you’re on your own. Now what?

Well, then you’re about where I used to be for a long time, keeping listening to different people telling different stories. I believe I came to something you may call a solution and so let me try to shed some light onto China Mobile’s(CM) service plans (as I know nothing about China Unicom’s, sorry).

CM has 3 types of products to choose from :

Shenzhouxing

Shenzhouxing (Easy Own)
Definition:
This pre-paid card is available at most newsstands and supermarkets. It comes pre-charged and works out of the box as soon as you put it into your own phone. Buy top-up cards anywhere to recharge the SIM card when it runs out if money. Very easy.
This card makes most sense if you’re in the country only for a few weeks.

Pricing:
It’s quite pricy as you can imagine, because you’re not bound by a contract. Also, be aware that you are charged a certain amount of money even for receiving calls. You can buy a package for 10 RMB that prevents this and you can also subscribe to other volume services for calling and texting. This is usually done by sending a certain code via SMS to CM. They will then deduct the applicable fee from your pre-paid card at the beginning of every month. Unfortunately, I have not yet found a complete list of the possible services you can subscribe to, so you need to keep digging.

Internet:
You can subscribe to GPRS packages, but they will not get you www service, only access to WAP, which usually is not what you want, because it’s very limited: view only WAP sites from CM.

M-Zone

M-Zone
Definition:
This is the most-people-have-it solution. It’s also a pre-paid system and you need to charge it regularly. You can only get this product in an official CM store, not in a market. Also, they need your passport and address to register you as the owner. However, since it’s pre-paid, there’s nothing you need to cancel in case you leave the country or just don’t want to use the SIM card any longer. It’ll stay active for 3 months and will work as usual once you recharge the number again. If you don’t – well, then nothing’s going to happen.

Pricing:
You are required to book at least one package as a monthly subscription. This must be a text or voice plan. Data services are extra. Voice or text plans start very low at something like 11RMB, so it’s nothing to be majorly concerned about.

Internet:
GPRS works out of the box (see possible necessary settings for your phone below), but you should get a volume package instead of using pay-as-you-go, because the KB prices aren’t exactly cheap. GPRS packages start very low at about 5RMB and go up to 200RMB, depending on your needs. The CM store will have a list with the latest rates to choose from. Bring some time…
Or else check out this link beforehand. I got it from cuimengsuo.com and it lists the available GPRS packages. It’s in Chinese, so you might want to run it through Google Translate or similar.

GoTone

GoTone
Definition:
This is what I’d call a business-oriented plan. They offer post-payments and are directed towards people who use voice more than text messages and who call lots and lots, national and international. If you get this, then you need to cancel your contract once you don’t want any further service. Otherwise the bills keep coming.

Pricing:
The packages available are mainly directed towards lots of calling minutes and make those much cheaper, I’m not too familiar with the rates though.

Internet:
Same story as M-Zone.

Still doesn’t work?
If you already happen to have an M-Zone or GoTone SIM card, have entered the settings I showed you down below and still get no connection, then you need to go to a CM store or simply let a Chinese-speaking person call 10086 to have them activate GPRS access for you. Your card simply may not yet be authorized.

Already have a Shenzhouxing and want to keep your number?
That’s no problem. Well, maybe that’s a point of view. Firstly, you need to still have that credit card-sized plastic framing from which you originally broke out that small SIM card. This one contains all sorts of authorization numbers on the back that the CM representative needs on order to do the trick.

So take that and your passport when you go to a store. They’ll do the switch from your Shenzhouxing plan to one of the other without problem, BUT: you need to wait until the beginning of the following month for the whole thing to take effect. Until then everything will stay as it is, so no GPRS for the rest of the current month.

Be patient for about 30 days
The one month waiting period is the case with anything official or GPRS-related. CM doesn’t do these kind of things right away, so even if you have an M-Zone or GoTone and want to have a GPRS volume package, you’ll have to wait for the 1st of the following month for it to take effect. Until then you’ll stay on the expensive by-KB rate. Make sure to be clear about whether or not you have an active package to avoid costly surprises.

Lots of phones can actually use the GPRS access without further configuration, but some might need a tweak. Here are the settings for both, Internet and MMS for you. The latter is needed especially if you have an iPhone, which will simply not show MMS ability until you enter this information and completely reboot the device:

Cellular Data network service settings for GPRS access:

APN: cmnet
Leave username and password blank or use ” guest ” for both if you phone requires an entry.

MMS
APN: cmwap
MMSC: mmsc.monternet.com
MMS proxy: 10.0.0.172

On the Apple iPhone, you’ll get to this by tapping the SETTINGS icon on the home screen, go to GENERAL, then NETWORK and then CELLULAR DATA NETWORK. Don’t forget to also enable MMS in SETTINGS – MESSAGES by putting the slider “MMS Messaging” to ON.

I hope this helps anybody who’s been trying to figure this out without success like I did for a long time.