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	<title>Suddenly Beijing</title>
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	<description>Das Leben ist anderswo halt auch komisch.</description>
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		<title>Die</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Feb 2010 08:24:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Life]]></category>

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		<description><![CDATA[
Mein lieber Herr Li, heute muss ich mich mal stellvertretend bei Dir entschuldigen.
Ich weiss – Du bist keine Frau, und Du bist auch nur in Einzahl. Trotzdem wirst Du so oft ungerechterweise mit &#8220;die&#8221; betitelt.
DIE können einfach nichts.
DIE haben keinen Durchblick und DIE sind sowieso nervig, machen ständig alles falsch und könnten ohne UNS überhaupt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/02/pointing.jpg"><img class="size-full wp-image-1265 alignleft" style="margin-right: 20px;" title="pointing" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/02/pointing.jpg" alt="" width="466" height="128" /></a></p>
<p>Mein lieber Herr Li, heute muss ich mich mal stellvertretend bei Dir entschuldigen.</p>
<p>Ich weiss – Du bist keine Frau, und Du bist auch nur in Einzahl. Trotzdem wirst Du so oft ungerechterweise mit &#8220;die&#8221; betitelt.</p>
<p><em>DIE</em> können einfach nichts.<br />
<em>DIE</em> haben keinen Durchblick und DIE sind sowieso nervig, machen ständig alles falsch und könnten ohne <em>UNS</em> überhaupt nicht überleben.</p>
<p>Manchmal ist es geradezu unmöglich ihm aus dem Weg zu gehen, dem liebsten Verbrüderungs-Ritual der Menschheit: Schubladen-denken. Dafür muss man natürlich nicht gleich ins entlegene Ausland fahren, das passiert in jedermanns Alltag. Und doch: fern der Heimat neigt offenbar der Großteil der Menschheit reflexartig zu umfassenderen kathegorischen Grüppchenbildungen.</p>
<p><em>DIE</em> haben mal wieder die Strasse hier völlig zugeparkt.<br />
Wie kann es sein, dass <em>DIE</em> einfach kein Auto fahren können?</p>
<p>Dabei wird für gewöhnlich das <em>DIE</em> mit dumm und das <em>WIR</em> mit wirklichschlau gleichgesetzt. Ein gar glücklicher Umstand sorgt hier dafür, dass man sich jederzeit auf der Sonnenseite der Intelligenz befindet: Der Sprechende ist immer ein Teil des <em>WIR</em>.</p>
<p>Wenn <em>DIE</em> also in jeder Grünphase jegliche Ampelkreuzung verstopfen, weil <em>DIE</em> sich nicht um rechts-vor-links kümmern, dann sind <em>WIR</em> im Umkehrschluss die Helden des Asphalts. Damit kann man natürlich gut leben.</p>
<p>Das eigentlich Dumme am Label <em>DIE</em> ist aber, dass es eine Differenzierung des Einzelnen verhindert. Und so parken halt mal global alle Chinesen schlecht, nicht nur der Jettakönig, wegen dem man nun 4,23 Meter Umweg machen muss.</p>
<p>Wer ins Ausland geht, befindet sich prinzipiell in der Minderheit. Vielleicht erklärt das, weshalb man so schnell den sozialen Stempel zückt und munter um sich herum Postamt spielt. Wenn einem dabei aber recht schnell die Tinte ausgeht, sollte man einmal hinterfragen, ob man als Jurymitglied so geeignet ist.</p>
<p>Gut, das mit dem Verkehr ist jetzt andererseits ein blödes Beispiel. Parken können die wirklich nicht. Und zwar alle. Und von Vorfahrtslogik haben sie auch noch nie was gehört. Dafür hupen die wie die Irren. Schlimm – denen sollte man gar keinen Führerschein geben!</p>
<p>Huch.</p>
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		<title>Erinnerungen an die Zukunft</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 11:11:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Life]]></category>

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		<description><![CDATA[
&#8220;One World, One Dream&#8221; &#8211; Das lokalpatriotische Motto der olympischen Spiele 2008.
Dieser Satz, der nach 60Grad erhobenem Tagträumer-Blick in die Ferne klingt, ist im Westen möglicherweise weniger bekannt. In Peking aber, wo vor ziemlich genau eineinhalb Jahren um Medaillen gekämpft wurde, kennt jedes Kind diesen Schlachtruf.
Man sieht ihn noch immer im Strassenbild. Manch im Sonnenlicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/One_World_One_Dream.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1233" title="One_World_One_Dream" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/One_World_One_Dream-400x179.jpg" alt="" width="400" height="179" /></a></p>
<p>&#8220;One World, One Dream&#8221; &#8211; Das lokalpatriotische Motto der olympischen Spiele 2008.<br />
Dieser Satz, der nach 60Grad erhobenem Tagträumer-Blick in die Ferne klingt, ist im Westen möglicherweise weniger bekannt. In Peking aber, wo vor ziemlich genau eineinhalb Jahren um Medaillen gekämpft wurde, kennt jedes Kind diesen Schlachtruf.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/owodwall.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1234" title="OWOD" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/owodwall-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Man sieht ihn noch immer im Strassenbild. Manch im Sonnenlicht verblassender Bauzaun trägt ihn. Es gibt Gebäude, deren Wände weiterhin aufwändig mit den bunten Farben des Events bemalt sind. Störrisch halten sie an ihrem Aufruf zur Einheit fest. Und doch &#8211; mit westlichen Augen betrachtet ist es ein trauriges Bild. Es ist ihnen anzusehen, dass sie keine wirkliche Aufgabe mehr haben. Wenig kann so entflügeln wie die Träume von gestern.</p>
<p>Wir leben in Zeiten, in denen der größte Suchmaschinen-Anbieter der Erde und sowohl die chinesische, als auch die amerikanische Regierung um digitale Vormachtstellung kämpfen. Wer darf ungestraft die meisten Daten sammeln und wer wem die größten Denkfilter vorsetzen? Der liberale Mausklicker stellt hier nicht nur den fehlenden gemeinsamen Traum fest, sondern muss einsehen, dass bereits der Anfang des olympischen Ausrufes fern der Realität zu sein scheint. Nach &#8220;einer&#8221; Welt sieht es derzeit wenig aus.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/526274263_07f7c5d901.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1235" style="margin-right: 5px;" title="One World, one Hollywood" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/526274263_07f7c5d901-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Herr Meyer findet ja, dass die prä-olympischen Träume nicht nur nicht eingetreten sind, sondern sich der Traum obendrein vertraumatisiert hat. Wo ist die erhoffte Annäherung der Chinesen, die Öffnung in Richtung westlich anerkannter Lebensweisen? Herr Johnson fügt hinzu, dass es danach aussieht, als wäre die Situation nach den Spielen sogar noch desolater als davor und bestellt ärgerlich noch ein Bier.</p>
<p>Und Herr Li? Haben wir je daran gedacht, Herrn Li danach zu fragen?</p>
<p>Herr Li kaut genüsslich den letzten Dumpling durch und blickt Herrn Meyer und Herrn Johnson fragend an. Was die beiden jetzt eigentlich mit &#8216;desolat&#8217; meinen würden, möchte er wissen. Noch bevor diese allerdings zu bedeutungsschweren Antworten voller Menschenrechte und Freiheit ansetzen können, stellt Herr Li, noch immer schmatzend, seinerseits die Gegendarstellung auf:</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/11.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1236" title="One World one stadium" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/11-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Man habe Olympia nach China holen wollen und das hat ja auch geklappt. Dann wollte man der Welt beweisen, welch große Sportnation auf dieser Seite des Kulturäquators schlummert. Und? Man hat doch auch in der Tat die meisten Medaillen abgeräumt! Olympia in China, das war so wie die Fussball WM in Deutschland. Ein großartiges Gefühl des Zusammenhaltes. Patriotisch bis unter die Hutkrempe lag man sich in den Armen und durfte sich endlich einmal nicht so minderwertig und als dritte Welt fühlen.</p>
<p>Deutschland hat 2006 gelernt, dass es in Ordnung ist, wenn man sich in der Öffentlichkeit als Deutscher zu erkennen gibt und dass die eigene Fahne doch gar nicht so schlecht <a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/fans.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1237" style="margin-right: 5px;" title="Fans" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/fans-400x139.jpg" alt="" width="240" height="83" /></a>aussieht. Das kam einem Befreiungsschlag gleich.</p>
<p>Für Herrn Li war das mit Olympia ganz ähnlich. Und wen kümmert schon, welches Mädchen welches Lied singt und wieviel Feuerwerk echt oder falsch ist? Wenn Hollywood mal wieder Washington D.C. oder New York explodieren lässt, wackelt in Wirklichkeit doch auch kein einziger Stein. Dennoch fühlen sich alle wunderbar unterhalten. Was zählt, ist die Wirkung. Man hat sich für zwei Wochen als großer Teil der Welt, der &#8220;One World&#8221; empfinden dürfen. Das und die Führungsposition auf der Medaillenliste war letztlich der &#8220;eine Traum&#8221; gewesen. Es ist alles eingetreten. Wie da jetzt &#8216;desolat&#8217; ins Bild passt, das wäre Herrn Li nicht ganz klar.</p>
<p>Herr Meyer und Herr Johnson blicken sich fragend an. Ihnen dämmert, dass sie möglicherweise überprüfen müssen, wo die Wurzeln ihrer Interpretation von &#8220;One World, one Dream&#8221; liegen. Und doch krempeln sie ihre mentalen Ärmel hoch und begeben sich für die kommende Stunde auf intensives Streit-Terrain.</p>
<p>Die Sonne steht tief über der Hauptstadt. Die Kamera entfernt sich in einem langsamen Schwenk vom Tisch des kleinen Restaurants, in der unsere illustre Gruppe eifrig diskutierend sitzt. Als sie rückwärts durchs Fenster auf die kleine Huton-Gasse schwenkt, dringen die typischen <a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/MG_7512.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1241" title="old dreams" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/MG_7512-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Geräusche einer chinesischen Seitenstrasse an unser Ohr: Das Rauschen des Windes, das entfernte Hupen eines Autos auf der Hauptstrasse, zwei lachende Kinder und das Murmeln der Nachbarn, die sich interessiert über das Aussehen des Kamerakrans unterhalten. Als sich dieser erhebt, huscht vor unserem Auge ein Stück Papier vorbei. Ein Karton, der notdürftig in ein Loch in der Wand geschoben wurde.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0368.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1242" style="margin-right: 5px;" title="alte Ringe" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0368-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Ein paar Meter weiter fällt unser Blick auf fünf farbige Ringe, die ihre besten Zeiten bereits hinter sich haben und langsam aber sicher dem Zahn der Zeit Tribut zollen.</p>
<p>Wir blicken über eine Stadt, deren Gesicht sich durch die olympischen Spiele stark verändert hat. Die IOC Reliquien verschwinden Stück für Stück. Vor unseren Augen aber wuseln Menschen umher, für die Olympia oftmals vor allem eines bedeutet hat: ein gestiegenes Selbstbewusstsein. Und das hat bleibenden Character.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0734.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1243" title="Chocolate World Beijing" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0734-200x200.jpg" alt="" width="200" height="200" /></a>In der Ferne entdecken wir das Birdsnest. An diesem befindet sich dieser Tage eine künstliche Outdoor Skipiste und davor die World Chocolate Wonderland Ausstellung. Man zeigt dem staunenden Publikum Ostereier, Weihnachtsmänner und allerlei anderes erstaunliche fremdländisches aus Schokolade.</p>
<p>Beide Attraktionen bedeuten zweierlei: zum einen der andauernde Versuch, westliche und östliche Kultur aneinander zu gewöhnen. Zum anderen die erstaunliche Tatsache, dass die Regierung dieser Stadt nach wie vor das Ziel verfolgt, die Sportstätten nicht verwaisen zu lassen. Eine schwierige Aufgabe, die manch andere Nation schnell aufgegeben hat.</p>
<p>Unsere Kamera zieht weiter auf, und am Horizont kann man sehr klein ein Stück der chinesischen Mauer entdecken. Ein Zeugnis der fünftausendjährigen Geschichte des Landes. Laut Herrn Li sagte Konfuzius einmal im Schatten dieser: &#8220;Wer lange glücklich sein möchte, muss sich oft verändern&#8221;. Veränderung aber kommt von innen und ihre Richtung wird auch von dort bestimmt.<br />
Wer glaubt eigentlich ernsthaft, dass diese Richtung zwangsläufig dieselbe ist, wie von ausserhalb erwartet wird?</p>
<p>Mensch, Herr Li &#8211; Da haste aber irgendwie auch wieder recht! Prost, Du gelber Halunke. Und jetzt lass uns mal eine Runde singen gehen.</p>
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		<title>Authentisch!</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 12:35:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essen]]></category>
		<category><![CDATA[Life]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Da musst Du UNBEDINGT mal hin&#8221;!
Wenn einem in China dieser Satz über den Weg läuft, kommt er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus dem Mund eines Ausländers. Dieser dürfte sich dann mit verschwörerisch verklärtem Blick in eine Schilderung verleidenschaftlichen, die der folgenden ähnelt:
&#8220;Das ist das beste, was Du je gegessen hast. Irre. Einfach irre. Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4><strong><em><span style="color: #808080;">&#8220;Da musst Du UNBEDINGT mal hin&#8221;!</span></em></strong></h4>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/DSC04320.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1215" style="margin-right: 5px;" title="Authentischer Laden" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/DSC04320-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Wenn einem in China dieser Satz über den Weg läuft, kommt er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus dem Mund eines Ausländers. Dieser dürfte sich dann mit verschwörerisch verklärtem Blick in eine Schilderung verleidenschaftlichen, die der folgenden ähnelt:</p>
<p><em>&#8220;Das ist das beste, was Du je gegessen hast. Irre. Einfach irre. Der Laden liegt ganz versteckt, den findet nicht jeder. Ist so ein ziemlich herunter gekommener Schuppen, die haben auch nur vier oder fünf Tische. Also, aufs Klo willst Du da nicht unbedingt gehen, das sag ich Dir. Aber es ist halt einfach völlig authentisch. Wir konnten gar nicht genug bekommen.&#8221;</em></p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/DSC00210.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1216" title="Authentischer Laden" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/DSC00210-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Vom Lexikon als &#8220;echt&#8221; und &#8220;original&#8221; bezeichnet, bekommt die kleine lustige Vokabel &#8220;authentisch&#8221; in China ein schizophrenes Eigenleben, das seine eigene Bedeutung verlebt.<br />
Als Neuling weiß man das noch nicht. Und so pilgern unablässig Frischlinge zu den authentischsten Plätzen der Umgebung und verbreiten anschließend in gutem Glauben die Sawyer&#8217;sche Theaterbegeisterung.</p>
<p>Wer etwas länger im Land ist, dürfte einer als authentisch beschriebenen Location relativ wenig Interesse entgegenbringen. Er weiß: Authentisch bedeutet in diesem Zusammenhang hoffnungslos alt, zerfallen und besorgniserregend hygienefrei. Mehr nicht. Es ist erstaunlich, aber es stimmt: mehr nicht!</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/MG_9555.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1217" style="margin-right: 5px;" title="Authentischer Laden" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/MG_9555-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Aber wer nach China kommt, ist praktisch zwangsläufig auf der Suche nach Unterschieden, dürstet nach Kulturschock und bejubelt jeglichen Kontrast. Sonst hätte man schliesslich auch nach Mallorca fliegen können.<br />
Nein, wenn man schon den weiten Weg auf sich nimmt, dann soll es auch was bringen. Immerhin warten Freunde und Kollegen zuhause auf haareraufende Geschichten. Die Skandalsau in uns allen grunzt nach Futter. Und zur Not wird dem Kontrastregler halt einfach ein wenig nachgeholfen.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0480.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1218" title="Authentischer Laden" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0480-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Nach einer Weile Aufenthalt sind schließlich alle offensichtlichen Differenzen zwischen hier und daheim abgefeiert. Und was läge also näher, als zum Experten des &#8220;echten alten&#8221; Chinas zu werden? Dann würde man auch den hier ansässigen Kollegen tolles erzählen können.</p>
<p>Wie wunderbar also, wenn man wieder einen Laden gefunden hat, dessen Interieur von Maos Urgrossvater gestaltet worden sein könnte! Meist ist es auch von diesem das letzte Mal gereinigt worden. Aber das macht die Sache eher noch interessanter und eben erst recht so richtig authentisch.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0301.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1219" style="margin-right: 5px;" title="Authentischer Laden" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0301-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Man bestellt quer durch die Karte und probiert was das Zeug hält vermeintlich geheimtippsige Getränke ohne Aufdruck von Haltbarkeitsdatum. Keine Sorge &#8211; wenn es authentisch ist, dann kann es nicht schädlich sein. Ach wie schön &#8211; das ist das echte China! Und das kann man nur finden, wenn man die ganz versteckten Plätze auftreibt.</p>
<p>Komisch eigentlich, dass dann dort abgesehen vom Personal keine Chinesen sind. Der Tipp zu dem Restaurant kam auch nicht von Herrn Li, sondern Herrn Meyer.</p>
<p>Inhaber und Angestellte jener Etablissements haben sich längst mit der wunderlichen Tatsache abgefunden, dass die komischen Ausländer es so haben wollen. Wenn man sie (auf Chinesisch) fragt, geben sie recht schnell und offen zu, dass sie es nicht verstehen und selbst eher woanders dinnieren würden. Aber wenn sich damit ein Geschäft machen lässt, dann bitte sehr. Und die Geschäfte laufen gut.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0675.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1220" title="Authentischer Laden" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0675-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Die echten Chinesen sitzen dann derweil unweit der Bruchbude in moderner ausgestatteten Restaurants.<br />
Deren Küchengeschichte reicht jedoch Generationen zurück, wie man mit wenig Aufwand erfahren kann. Im Laufe der Dekaden ist man nur in größere und komfortablere Immobilien gezogen, um dem Ansturm der Gäste gerecht zu werden. Dennoch sind jeden Abend alle der unzähligen Tische mehrfach belegt.</p>
<p>Erinnern wir uns an eine bekannte Weisheit: wer im Ausland gute Küche sucht, sollte dort essen, wo die Einheimischen essen.<br />
In die Eingänge dieser Restaurants verirrt sich aber fast nie ein Laowei (spöttisch für &#8220;Ausländer&#8221;). Viel zu unscheinbar und viel zu wenig authentisch.</p>
<p>Ironischer Weise ist das Restaurant damit das besser versteckte. Und den Herrn Meyers und Johnsons entgeht so das beste Essen. Und das müssten sie WIRKLICH mal probieren!</p>
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		<title>Am Anschlag (Updated)</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 08:54:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Smog]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern morgen kam der Herr Li ganz aufgeregt angelaufen und zeigte mir die nebenstehende Grafik. (Quelle)
Die Luftqualität dieser Stadt, so die zusammengefasste Aussage, verbessere sich deutlich. In 2008 hätte es 274 himmelblaue Tage gegeben und in 2009 immerhin 260.
Das ist ja ein dolles Ding, dachte ich noch so bei mir und schob den Vorhang zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/00221917e13e0c71807405.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1196" title="Smog developmen in Beijing" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/00221917e13e0c71807405-254x400.jpg" alt="" width="122" height="192" /></a>Gestern morgen kam der Herr Li ganz aufgeregt angelaufen und zeigte mir die nebenstehende Grafik. (<a title="Beijing Smog lifts" href="http://www.chinadaily.com.cn/bizchina/2009-11/21/content_9016924.htm" target="_blank">Quelle</a>)</p>
<p>Die Luftqualität dieser Stadt, so die zusammengefasste Aussage, verbessere sich deutlich. In 2008 hätte es 274 himmelblaue Tage gegeben und in 2009 immerhin 260.</p>
<p>Das ist ja ein dolles Ding, dachte ich noch so bei mir und schob den Vorhang zur Seite. Draussen bot sich mir indes das gräuliche Bild des Widerspruchs.</p>
<p>Das sah ja nun nicht so wirklich nach einem &#8216;Blue Sky Day&#8217; aus. <a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_1759.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1197" title="Beijing smog day" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_1759-200x200.jpg" alt="" width="160" height="160" /></a>Mit Glück konnte man vielleicht 200m weit sehen. Aber man wollte es nicht unbedingt. Denn das, was man da erspähen konnte, blieb besser hinter Vorhängen verborgen.</p>
<p>Damit ein Tag ein &#8216;Blue Sky Day&#8217; wird, muss sich sein API Wert unter 100 befinden. International wird für diesen Level jedoch nicht die Farbe Blau verwendet, sondern Gelb, was den ampelgeschulten Westeuropäer sogleich aufhorchen lässt.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0656.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1198" style="margin-right: 5px;" title="Table of air quality" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0656-185x400.jpg" alt="" width="78" height="168" /></a>Blau kommt in der internationalen Tafel nicht vor, so dass der Verdacht nahe liegt, die Farbwahl solle weniger den Himmelston beschreiben, als vielmehr die die Couleur der Tabelle beschönigen. Diese findet der nach Luft schnappende Leser in ihrer Gänze einmal auf der linken Seite.</p>
<p>Und hier sehen wir sehr schön, dass die Palette gen Süden ins Purpurne abrutscht. &#8216;Lila ist der letzte Versuch&#8217; heisst es doch auch so schön. In diesem Falle ist es wohl der letzte Versuch, Luft zu bekommen. Und dem sah sich der Herr Li gestern ausgesetzt. Völlig ohne es zu merken<a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0651.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1199" style="margin-top: 5px;" title="Hazardous" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/IMG_0651-277x400.jpg" alt="" width="100" height="144" /></a>. Denn wenn man seinen Blick vom Fenster löste, um die gemeldete Zahl der <a title="Smoggy day" href="http://www.17eleven.com/china/2009/10/18/232-api-vs-9k/" target="_blank">einzigen unabhängigen Luftmesstation Pekings</a> zu betrachten, sah man dieses:</p>
<p>Man mag das zunächst noch für eine hübsche runde Zahl halten, muss dann beim Vergleich mit der Einstufungsliste jedoch mindestens eineinhalb mal stutzen. Dort steht als Oberkante allen Übels &#8220;301 &#8211; 500: Hazardous&#8221;. Das Lexikon sagt dazu &#8220;riskant, gefährlich, gewagt&#8221; und die kurze freundliche Beschreibung legt nahe, sich weit zu entfernen.</p>
<p>Aber Moment &#8211; die Skala geht &#8216;nur&#8217; bis 500? Für den Exil-Atmer heisst das leider: Höher wird einfach nicht gemessen, der Wert könnte jedoch auch bei 501, 620 oder 2.384 liegen. Man weiss es halt nicht. Und das ist bestimmt auch besser so. Bei dieser Erkenntnis sollte man tunlichst jegliche Schnappatmung vermeiden, denn die geht für gewöhnlich recht tief in die Lunge.</p>
<p>Es drängt sich einem angesichts dieser Teilchenmasse der Verdacht auf, dass der Begriff &#8220;verbotene Stadt&#8221; schon gar nicht so schlecht gewählt wurde. Und es weckt Verständnis für die unzähligen Chinesen, deren Lungen auf der Strasse unablässig den Auswurf-Knopf bedienen.</p>
<p>Natürlich wollen wir uns zum Abschluss noch einmal die Statistik von oben ansehen (sofern diese noch nicht der Grauschleier befallen hat) &#8211; 260 bläuliche Tage sind immerhin zwei Drittel der Zeit. Und das ist in der Tat zu begrüßen. Zwei Gegenfragen hätte ich da nur. 1. Was ist mit den Nächten, sind die dort auch erfasst oder ist das ein cleveres Schlupfloch, um die Zahl zu verbläulichen? Und was ist wohl die durchschnittliche API Menge, wenn an den restlichen 100 Tagen 300 oder mehr API herrschen? Sähe die Statistik noch immer so goldig aus, wenn man diese Zahl wüsste?</p>
<p>Drücken wir einmal die Daumen, dass der Smog bald laut &#8216;I&#8217;m blowing with the wind&#8217; singt. Denn der fegt die Luft üblicherweise wunderbar frei. Wenn auch nur für einen Tag.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/banner.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1207" title="mep" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/banner-400x36.jpg" alt="" width="400" height="36" /></a></p>
<p><strong><span style="color: #800000;">UPDATE</span></strong> &#8211; Dank Raphael&#8217;s freundlichem Kommentar zu diesem Eintrag kennen wir nun auch die von der &#8220;Ministry of Environmental Protection of the People&#8217;s Republic of China&#8221; <a title="Beijing Air" href="http://datacenter.mep.gov.cn/TestRunQian/air_dairy_en.jsp" target="_blank">offiziell gemessene und vermeldete API Zahl</a>: 183.</p>
<p>Nanu, da sind wohl 317 Partikel verloren gegangen. Vielleicht haben die es nicht durch die dicke Luft bis zur Messstation geschafft. Man sieht aber auch so schlecht, wo die ist&#8230;</p>
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		<title>Das fängt ja gut an: Fischkopf vs. Fischkopp mit Dehnbarem</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 04:43:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essen]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute gehen wir mal so richtig lecker essen!
Dieser Satz steigert ungemein eines der wunderbarsten Gefühle der Welt: Vorfreude. Im Anschluss daran folgt gemeinhin der ein oder andere Vorschlag für den Ort des Geschehens und ein erwartungsfroher Blick auf die Uhr.
Im Mund spielt sich derweil ganz ähnliches ab: aufgeregt laufen die Geschmacksknospen umher und diskutieren wild mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5><em><span style="color: #993300;"><strong><span style="color: #b99f93;">Heute gehen wir mal so richtig lecker essen!</span></strong></span></em></h5>
<p>Dieser Satz steigert ungemein eines der wunderbarsten Gefühle der Welt: Vorfreude. Im Anschluss daran folgt gemeinhin der ein oder andere Vorschlag für den Ort des Geschehens und ein erwartungsfroher Blick auf die Uhr.</p>
<p>Im Mund spielt sich derweil ganz ähnliches ab: aufgeregt laufen die Geschmacksknospen umher und diskutieren wild mit den Armen fuchtelnd, wie man sich bestens auf Rosmarin, Thymian oder Bratkartoffeln vorbereitet. Da wird das Begrüßen der verschiedensten Glukose- und Saccharid-Verbindungen geübt und die LaOla-Welle für den Shiraz.</p>
<p>Im Lande Maos läuft es freilich ganz ähnlich. Auch hier kommt Stimmung auf, und die kleine Schar der Abschmecker gerät ins Frohlocken. Sie haben sich mit den hiesigen Aromen bereits etwas bekannt gemacht.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/DSC00391.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1182" style="margin-right: 5px;" title="Beschildete Restaurant-Kröten" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/DSC00391-400x300.jpg" alt="" width="240" height="180" /></a>Einzig wenn man mit einer rein chinesischen Runde auf unbekanntes Restaurant-Terrain gehen soll wird der Langzeittourist etwas vorsichtig. Denn da weiss man ja nie so genau, was die Hand zum Munde führen soll.</p>
<p>Aber Kneifen ist nicht. Und so findet man sich wenig später wieder einmal in einem Geheim-tipp Tempel mit mindestens hundert Tischen wieder. Erneut könnte man jeden Tag an der Eingangstür vorbei laufen ohne auch nur zu ahnen, welch enorme Verköstigungskapazität dort hinter unscheinbarer Tür wartet.</p>
<p>Das geht anderen offenbar auch so – Nach Betreten stellt man fest, dass man der einzig Anwesende ohne chinesischen Pass ist. Da weiss man genau: Aha, das ist ein sehr lokales Lokal und touristisch noch unerkundeter Boden. Die Bestellung überlässt man anderen, weil man sich noch über die Aquarien mit den Schildkröten Gedanken macht. Dass diese nicht der Dekoration dienen ist bekannt. Und so hofft man der Dinge, die da nicht kommen mögen.</p>
<p>Gottlob taucht dann auch kein gehexelter Schildbürger auf. Stattdessen ein Teller mit 40cm Radius. Auf diesem ein großer Haufen Dingens mit viel Zeug. Der lapidar dahin geworfene Ausruf &#8220;Fisch&#8221; mit Fingerzeig Richtung Megateller beruhigt. Und so greift man fleissig zu. Die kleinen Racker auf der Zunge melden eifrig &#8220;töfte Sache&#8221; und gehen pflichtbewusst ihrer aromatischen Arbeit nach. Die den Teller umzingelnden Beilagen fragt man gar nicht erst ab, sondern genießt die schmackhafte Wahl. Und das ist sie in der Tat.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/fishhead.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1181" title="fish head" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/fishhead-400x133.jpg" alt="" width="400" height="133" /></a></p>
<p>Irgendwo Mitte der zweiten Portion wird man ob der zufriedenen Gesichter der Restanwesenden stutzig und fragt halbschlau &#8220;Will ich eigentlich wissen, was das ist oder lieber nicht&#8221;?</p>
<p><span id="more-1165"></span></p>
<p>Die Antwort kommt, wie man es befürchtet: &#8220;Kommt drauf an. Schmeckt es denn&#8221;?</p>
<p>Jedem China-Reisenden in Spe sei hier eine verweilende Sekunde ans Herz gelegt. Man muss seinen eigenen Magen kennen. Würde dieser schwungvoll seine bislang positive Meinung revidieren, wenn er jetzt was ganz komisches hört? Oder bleibt er beim gefällten Urteil, frei nach &#8220;wenn andere dies öfters essen, muss es wohl genießbar sein&#8221;?</p>
<p>Meiner ist zum Glück Variante B, und damit durfte ich der Neugier nachgeben. Die klang dann auch nicht so schlimm, wie sie es vielleicht vorher noch getan hätte: Fischkopf.</p>
<p>Eingeweide, Flossen, Gräten und Kopf gehören für uns zum fischigen Abfall &#8211; deshalb muss man sich an den Gedanken erst gewöhnen. Und auch an die Größe des Kollegen. Manches Huhn wäre froh, ganzkörperlich diese Ausmaße zu erreichen. Es ist viel dran. Erstaunlich viel. Die Gesichtsplatten sind hart und dick wie Muschel-Schalen und Freund Flosse hat deswegen vor dem Servieren bereits hammermäßig einen auf die Nase bekommen. Das dient sowohl dem bequemen Erreichen des essbaren Gutes, als auch dem unauffälligen Passieren der Gesichtskontrolle beim vorsichtigen Fremdländer.<br />
Und er schmeckt&#8230;wie Fisch. Nicht der Fremdländer natürlich, sondern das Tellergesicht. Ein bisschen wie Forelle vielleicht. Nur mit besserer Soße. Fazit: dolles Ding. Und Fisch gehört zum Jahresanfang.Glückspotenzial und so.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/DSC00390.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1183" title="Ist nicht vegetarisch" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/DSC00390-400x371.jpg" alt="" width="240" height="223" /></a>Gänzlich unfischig, aber nicht weniger unüblich war eine kleine Schale daneben. Darin eine leicht scharfe Soße auf Soja und Balsamico Basis. Und in dieser lagen kleine glasnudel-artige Knäuel. Recht bissfest und ebenfalls ungemein lecker. Hier dachte ich mir die meiste Zeit nichts dabei und vermutete eine vegetarische Kleinigkeit. Als mir einfiel zu fragen, musste ich gleich zweimal insistieren. Die Antwort klang so: &#8220;Sehnen. Aus Hühnerfüßen&#8221;.</p>
<p>Ach so.</p>
<p>Gut, ich meine, was solls? Nun hatte ich eh schon wiederholt zugegriffen. Und das, weil sie halt mundeten. Ausserdem – wer will sich schon Gedanken darüber machen, wie sie es anstellen, diese Dinger so gänzlich fußlos in eine Schale zu bekommen? Zumindest während des Essens stört das doch nur. Das Fazit: die kann man ruhig mal bestellen.</p>
<p>Bleibt an Herrn Li noch die abschliessende Frage, was so ein Fisch wohl anstellen muss, um dermaßen sein Gesicht zu verlieren?</p>
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		<title>Eine Stelle mehr</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jan 2010 04:02:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist wieder einmal so weit: Das Kalenderblatt wechselt den Nachnamen und zeigt ab sofort zweistellig an, was Sache ist.
In Peking hat es zur Feier des Tages gleich einmal im Dauereinsatz geschneit, und nun sieht&#8217;s aus wie in Deutschland. Das verstehen wir mal als Brückenschlag und damit also ein winterlicher Gruß an alle da draussen.
Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/DSC00382.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1159" style="margin-right: 5px;" title="happy 2010" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2010/01/DSC00382-300x400.jpg" alt="happy 2010" width="300" height="400" /></a>Es ist wieder einmal so weit: Das Kalenderblatt wechselt den Nachnamen und zeigt ab sofort zweistellig an, was Sache ist.<br />
In Peking hat es zur Feier des Tages gleich einmal im Dauereinsatz geschneit, und nun sieht&#8217;s aus wie in Deutschland. Das verstehen wir mal als Brückenschlag und damit also ein winterlicher Gruß an alle da draussen.</p>
<p>Das Aufrücken von 09 auf 10, also von Einstellig-auf Zweistelligkeit sollte an eines erinnern: Mit großer Wahrscheinlichkeit wird niemand von uns das Aufrücken der nächsten Zählerstelle erleben. Die Null nach der Zwei wird uns für den Rest des Daseins begleiten.</p>
<p>Seien wir uns also einfach mal der Tatsache bewusst, dass wir nur eine begrenzte Zeit auf dieser Erde herumhüpfen dürfen und nehmen uns für 2010 vor, nichts auf morgen zu verschieben, was wir heute noch und so weiter. Also bleibt gesund und freut euch des Lebens. Gefälligst. Denn das findet gerade in diesem Moment statt.</p>
<p>Ein frohes neues Jahr!</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Meckern, Tischkante und das K im TV</title>
		<link>http://www.17eleven.com/china/2009/12/30/meckern-tischkante-und-das-k-im-tv/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 16:36:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gut zu wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Life]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Gott, dauert das immer so lange hier&#8221;?
&#8220;Ja, nervig, die haben einfach kein System&#8221;.
&#8220;Schlimm. Wer&#8217;s nicht kann, sollte einfach kein Restaurant aufmachen&#8221;.
&#8220;Absolut. Eine Frechheit ist das&#8221;.
&#8220;Übrigens, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Meyer&#8221;.
&#8220;Angenehm, Schulze&#8221;.
Wer bei dem obigen, verkürzt dargestellten Dialog ein warmes Gefühl im Bauch spürt und sich am liebsten auch gleich vorstellen möchte, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Gott, dauert das immer so lange hier&#8221;?<br />
&#8220;Ja, nervig, die haben einfach kein System&#8221;.<br />
&#8220;Schlimm. Wer&#8217;s nicht kann, sollte einfach kein Restaurant aufmachen&#8221;.<br />
&#8220;Absolut. Eine Frechheit ist das&#8221;.<br />
&#8220;Übrigens, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Meyer&#8221;.<br />
&#8220;Angenehm, Schulze&#8221;.</p>
<p>Wer bei dem obigen, verkürzt dargestellten Dialog ein warmes Gefühl im Bauch spürt und sich am liebsten auch gleich vorstellen möchte, der ist vor allem eines: ein Deutscher.</p>
<p>Göthe sagte schon so schön &#8220;Mit dem Wissen wächst der Zweifel&#8221;. Und seinen Kindeskindern gereicht das als Mantra. Der Zweifel nährt die Kritik, womit Nörgeln im Allgemeinen, im Speziellen und über alles und jedes zum Selbstverständnis wird. Dabei ist es oft gar nicht so gemeint. Es dient vor allem dazu, eine gemeinsame Basis zu finden, eine Verbindung zwischen zwei Fremden. Du genauso entrüstet wie ich? Klasse, wir Freunde.</p>
<p>Herr Johnson macht das ähnlich. Nur geht es bei ihm über den Pluspol: das gemeinsame Feiern des absolut greatest Day im Life und die Gewissheit, man sei noch nie sowas von fine gewesen. Helau in allen Gassen, da sind die imaginären Pom Poms immer im Anschlag.</p>
<p>Herr Li schlägt ganz andere Töne an. Und zwar wörtlich. Man sollte sich in seiner Gegenwart mit allzu deutschen Beschnüffelungen zurückhalten. Herrn Li irritieren diese, denn er ist es nicht unbedingt gewohnt, sich Fremde durchs Meckern zu Freunden zu machen. Insbesondere wenn man sich in seinem Land aufhält, nimmt er um sich greifende Kritik möglicherweise sogar persönlich.</p>
<p>Für ihn gibt es dagegen zwei sehr etablierte Verbrüderungs-Rituale. Diese bedeuten dem durchschnittlichen Westler einerseits Kopf- und andererseits Bauchschmerzen. Obwohl keines der beiden auch nur im Geringsten etwas mit Kung Fu zu tun hat.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/Maotaiphoto.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1148" style="margin-right: 5px;" title="Maotaiphoto" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/Maotaiphoto.jpg" alt="Maotaiphoto" width="245" height="339" /></a>Variante 1 ist der 白酒 bzw. <a title="Baijiu" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Baijiu" target="_blank">Báijiǔ</a>. Wahlweise auch Sagrotan, aber das ist subjektiv. Das Getreide-Schnaps Derivat kommt aus derselben benebelten Ecke wie Korn, Obstler und Vodka. In China ist es DAS Getränk schlechthin. Es gibt den Baijiu in vielen Varianten, sein Alkoholgehalt pendelt je Marke um 55%, sein Preis zwischen Gut und Böse. Und er hat das Wort &#8216;Ganbei&#8217; geprägt, das viele Ausländer als &#8216;Prost&#8217; missverstehen. Dabei steht &#8216;gan&#8217; für &#8216;machen&#8217; und &#8216;bei&#8217; für &#8216;Norden&#8217;. &#8220;Nach Norden machen&#8221; beschreibt in diesem Fall den Glasboden und heisst also &#8220;auf Ex&#8221;.</p>
<p>Randnotiz: Bitte keinem Chinesen mit &#8216;Ganbei&#8217; zuprosten und dann nur vorsichtig anschlürfen. Es sorgt für wenig Gegenliebe, wenn dieser den Kopf aus dem Nacken nimmt und feststellt, dass er als einziger sein Glas geleert hat. Trinken ist eine ernste Angelegenheit und vor allem mit traditionell eingestellten Chinesen eng mit Ehre verbunden.</p>
<p>Im Falle von Baijiu ist Ganbei jedoch Programm. Und zwar, bis einer der Teilnehmer die Tischkante von unten sieht. Da darf man sich wieder jung fühlen und an die Trinkspiele der Jugend erinnern. Tags darauf fühlt man sich hingegen meist deutlich gealtert.</p>
<p><span id="more-1144"></span></p>
<p>Für Baijiu ist wenig Kommunikation vonnöten. Herr Li grinst und lacht und erzählt so vor sich hin, da muss Herr Meyer einfach nur fröhlich gackern (gefasstes Lachen ist nach dem dritten Glas passé) und die einzig zu befolgende Regel beachten: Das Glas darf niemals leer sein, solange die Flasche noch etwas hergibt und eben beide noch die Oberseite besagten Tisches beäugen können. Hilfsmittel erlaubt.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/IMG_0452.JPG"><img class="alignright size-medium wp-image-1149" title="KTV" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/IMG_0452-400x300.jpg" alt="KTV" width="240" height="180" /></a>Variante zwei geht auch in den Kopf, aber weniger frontal, sondern mehr von der Seite. Und zwar von beiden. Ergo Stereo. Vorher jedoch geht sie in den Magen und zwar als Ziehen. Hier handelt es sich um die verbreitetste chinesische Freizeitbeschäftigung: dem Karaoke-singen. (wird gerne auch mit Variante 1 kombiniert, was zu unvorhersehbaren Ergebnissen führt)</p>
<p>Karaoke ist ein japanisches Wort. Und da Herr Li und Herr Nakamura nicht die dicksten Kumpel der Welt sind, heisst die Schose mit dem Mikro hier zu Lande KTV, also Krakeel-Fernsehen. Und das KTV entscheidet über so manch millionenschweren Business-Deal und manch soziale Akzeptanz. Reihenfolge im Übrigen oftmals umgekehrt.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/IMG_0453.JPG"><img class="alignleft size-medium wp-image-1150" style="margin-right: 5px;" title="KTV" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/IMG_0453-400x300.jpg" alt="KTV" width="240" height="180" /></a>Da dem so ist, gibt es in einer Stadt wie Peking hunderte dieser Einrichtungen. Manche von ihnen erreichen die Größe spanischer Ferienhotels, ähneln dabei aber eher dem Adlon in Berlin. Stockwerke über Stockwerke, ausgekleidet mit Marmor, Samt, ausladenden Blumen-Bouquets und glänzenden Metallen erinnern in der Tat eher an hochsternige Luxus-Unterkünfte. Hier gibt es Räume für Gruppen von 4 bis 40 Personen und ihre Anzahl kann nur geschätzt werden. Nicht selten allein auf einem Stockwerk bis zu 50. Das Buffet ist inklusive, die Bedienung kommt auf Knopfdruck angeschwebt und versorgt die muntere im U sitzende Schar mit allem, was den Spass befeuert.</p>
<p>Der Herr Mayer kennt Karaoke meist nur vom Hörensagen oder aus alptraumatischen Animations-Abenden diverser Urlaube. Mayer Junior ist hier schon etwas besser dran. Für ihn gibt es Singstar auf der Playstation, also zumindest schon einmal eine Annäherung an die Realität. Unterm Strich aber haben beide so gut wie keine Erfahrung mit dieser Art der Unterhaltung, und als Europäer stehen sie dieser ohnehin äusserst kritisch gegenüber. Kulturell wurde ihnen die Zurückhaltung in die Wiege gelegt. Nicht laut sein oder störend aus der Masse heraustreten und als Deutsche vor allem: nichts tun, das man nicht zumindest semiprofessionell beherrscht. Das blamiert vermeintlich.</p>
<p>Im Lande Li öffnet ein hinter sich gebrachter Abend mit Dur und Moll aber oftmals Türen und Tore, von deren Existenz man vorher nicht einmal etwas ahnte. Herr Li sieht das so: Du Dich genauso blamieren wie ich? Klasse, wir Freunde. Währenddessen steht sein deutsches Gegenüber kurz vor dem akuten Magendurchbruch, weil nur noch 2 Songs auf der Liste stehen, bevor &#8216;Hey Jude&#8217; dran ist, was ihm zugedacht war. Und da heisst es gleich in der ersten Zeile &#8220;&#8230;don&#8217;t make it bad. Take a sad song and make it better&#8230;&#8221;.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/DSC01016.JPG"><img class="alignright size-medium wp-image-1151" title="KTV" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/DSC01016-400x300.jpg" alt="KTV" width="240" height="180" /></a>Es gibt natürlich eine Skip-Taste und manch ein Kandidat glaubt, dass er sich mit &#8220;Danke, nein, ich kann nicht singen&#8221; aus der Affäre ziehen kann. Hier sei einmal folgendes angemerkt: Herr Li deutet das als untrüglichen Hinweis, der betreffende Hellhäuter wäre derart begabt, dass er die anderen Anwesenden nicht mit seiner vorzüglichen Kunst beschämen möchte. Dieses wiederum steigert seine Neugier und damit das Drängen. Man muss schon vehement und wiederholt ablehnen, damit der Kelch an einem vorüberzieht. &#8220;Ich kann wirklich, wirklich, wirklich nicht singen. Gar nicht.&#8221;</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/DSC01015.JPG"><img class="alignleft size-medium wp-image-1152" style="margin-right: 5px;" title="KTV" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/DSC01015-400x300.jpg" alt="KTV" width="240" height="180" /></a>Der mitdenkende Leser merkt an diesem Punkt sicherlich bereits: mitkommen und nicht singen ist unhöflich. Dann lieber weg bleiben. Das allerdings ist auch unhöflich. Über kurz oder lang sollte man sich also besser den lokal-kulturellen Gegebenheiten fügen und zum Schallempfänger der guten Laune greifen. Denn eines ist klar: Der Tonverweigerer sieht sich ansonsten eines gesellschaftlichen Status gegenüber, der dem eines Rundenschmarotzers in deutschen Bierzelten gleicht. Und damit wäre das Experiment Integration kläglich gescheitert.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/DSC01011.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1153" title="KTV" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/DSC01011-300x400.jpg" alt="KTV" width="180" height="240" /></a>Wer nun grübelt, wie man einen 3-5 stündigen KTV Abend überlebt, dem sei gesagt, dass er für gewöhnlich rasend schnell vorüber zieht und auch die größten Angsthasen fröhlich trällern lässt, sobald sie die erste wackelige Tontaufe hinter sich haben.</p>
<p>Zudem merkt man sehr schnell, dass es nicht aufs richtig singen ankommt, sondern vielmehr aufs richtig versuchen. Und wer das gewagt hat, ruft nicht selten am Ende &#8220;Ds machnma ball ma wiedda!&#8221;. Danach torkelt man ins Taxi, um sich dem verzweifelten Kampf der <a title="Adressprobleme in China" href="http://www.17eleven.com/china/2009/12/09/wo-ist-denn-das-jetzt/" target="_blank">Adress-Übermittlung an den Fahrer </a>zu stellen.</p>
<p>Baiju und KTV. Da steckt Musik drin.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Baum, der hat drei Ecken, drei Ecken hat der Baum</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Dec 2009 04:23:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wundersam]]></category>

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		<description><![CDATA[Ach, Du mein lieber Herr Li. Es ist einmal wieder besonders Herr-Li-ch, was Du Dir so für das größte Fest westreligiöser Konsumfreude ausdenkst. Bereits Ende Oktober haben wir Verständnis mit Deinen eifrigen Aufrüst-Versuchen gezeigt. Nun aber betritt Dein Unbegreifen gar picassoistisches Terrain.
Auch im amerikanisch beeinflussten Deutschland gewöhnen wir uns immer mal wieder daran, dass ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ach, Du mein lieber Herr Li. Es ist einmal wieder besonders Herr-Li-ch, was Du Dir so für das größte Fest westreligiöser Konsumfreude ausdenkst. Bereits Ende Oktober haben wir Verständnis mit Deinen <a title="Herr Li macht schonmal Weihnachten" href="http://www.17eleven.com/china/2009/10/29/ach-du-frohliche/" target="_blank">eifrigen Aufrüst-Versuchen</a> gezeigt. Nun aber betritt Dein Unbegreifen gar picassoistisches Terrain.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/7767294.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1137" title="Weihnachtsbaum AEZ Hamburg" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/7767294-301x400.jpg" alt="Weihnachtsbaum AEZ Hamburg" width="241" height="320" /></a>Auch im amerikanisch beeinflussten Deutschland gewöhnen wir uns immer mal wieder daran, dass ein Weihnachtsbaum zum Kegel stilisiert wird. Das ist praktisch, weil industriell einfacher produzierbar. Und wenn man ihn dann voller Glitter hängt, merkt fast niemand, dass dem falschen Fuffziger die Hüfte fehlt. Geblinke lenkt halt ab.</p>
<p>Zum Beispiel hier ein Bild aus meinem liebsten deutschen Konsumtempel, dem AEZ in Hamburg. Ein bisschen Gold, ein wenig Rot und alles geschmackvoll verteilt &#8211; so kann man damit durch kommen. Selbst die Kegelform ist nicht allzu stark übertrieben und lässt noch so manch Perfektionslosigkeit erkennen. Frei nach Stenkelfeld ist das sicherlich beabsichtigt: Da weiss der geneigte Kunde gleich &#8220;Aha &#8211; der sieht oben so krumm aus, der muss echt sein und is bestimmt von greisen Norwegern mit viel Liebe ein Leben lang aufgezogen, im Zuge eines feierlichen Dorf-Festes als schönster Baum gekürt, umgesägt und dann direkt hierhin verbracht worden, damit wir uns den jetzt zwei Wochen lang angucken können&#8221;.</p>
<p>Der aufmerksame Betrachter erkennt zweifellos auch die umherfliegenden besinnlichen Sterne an der Decke und noch so manch anderes dunkelgrünes und dunkelrotes Zeugnis, dass man sich nun in der Adventszeit befindet.</p>
<p><span id="more-1136"></span></p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/IMG_0538.JPG"><img class="alignleft size-medium wp-image-1138" style="margin-right: 5px;" title="Weihnachtlich oder so" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/IMG_0538-267x400.jpg" alt="Weihnachtlich oder so" width="160" height="240" /></a>Herr Li, der wenig katholisch ist und für den Weihnachten in der Tat ein Fest der Wirtschaft ist, gestaltet es nach seinen eigenen Regeln. Da steht schon mal ein Kegelbaum allein auf weiter Flur. Gänzlich unbeleuchtet und ohne Drumherum mitten auf dem Weg. Ein paar Kugeln rein, ein gülden Band drumherum gefidelt und dann sollen jetzt halt alle mal denken, es ist Weihnachten.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/IMG_0539.JPG"><img class="alignright size-medium wp-image-1140" title="Abrüsten" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/IMG_0539-400x300.jpg" alt="Abrüsten" width="144" height="108" /></a>Bei Starbucks ist man der Zeit voraus und hat bereits abgerüstet, da steht der Baum schon wieder fertig zu Abtransport in der Ecke, direkt neben den frühling-verheissenden Orchideen, die schon für die nächste Deko bereitstehen. Die Becher mit dem roten festlichen Aufdruck sind auch bereits aus, und es gibt wieder die weissen. Was solls &#8211; das Oktoberfest ist immerhin auch schon abgefeiert, bevor der Oktober überhaupt mal im Kalender ankommt.</p>
<p>Das beste aber ist, dass unser Herr Li offenbar die Geburtsstätte des Christkindes an den<a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/IMG_0537.JPG"><img class="size-medium wp-image-1139 alignright" title="Weihnachtspyramide" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/IMG_0537-300x400.jpg" alt="Weihnachtspyramide" width="210" height="280" /></a>Ufern des Nils vermutet, denn er hat zur nächsten Stufe der Abstraktion geläutet: Den Pyramiden von Phe-kingh. Drei Stockwerke hoch türmen sie sich hier um die Ecke vor dem Prosper Center auf. Eine goldene vorne und eine silberne hinten. Zur Sicherheit. Soll ja niemand sagen, mal würde dieses komische Fest nicht mitfeiern. Viel hilft viel.</p>
<p>Es mutet dann jedoch wenig besinnlich an, wenn ein Lastenkran vier Stahlstangen auf den Vorplatz hievt, die umgehend von 25 laut schnatternden Chinesen provisorisch mit glanzgoldenem Monster-Lametta behängt und bespannt werden. Der grell-orangene Bettvorleger am Fusse von <a title="Pyramids of Gizeh" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gizeh" target="_blank">Gizeh</a> ist in seinem Job als Besinnlichkeitsbereiter leider ebenfalls wenig erfolgreich. Orange kommt in den adventlichen Farben nun einmal einfach nicht wirklich vor.</p>
<p>Und ob den Erdenkern dieser lichtreflektierenden Erscheinung wohl bewusst ist, dass ihr oben aufgesetzter Weihnachtsstern nicht nur die Form des <a title="Roter Stern" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roter_Stern" target="_blank">russischen roten Sterns</a> hat, sondern sich auch noch in einer Linie mit der chinesischen Fahne direkt vor ihm befindet? Diese hat bereits fünf davon, lässt im übrigen jedoch den üblicherweise mit dieser Anzahl verbundenen Luxus vermissen. Aber wer weiss &#8211; wenn es jetzt sechs an der Zahl sind, ändert sich das vielleicht. In Las Vegas sind <a title="Luxor Las Vegas" href="http://www.luxor.com/" target="_blank">Pyramiden</a> ja recht komfortabel, wie man hört. Mit Weihnachten hat das trotzdem wenig zu tun.</p>
<p>Trotzdem, Freund Li tut was er kann. Der Wille zählt, selbst wenn man nicht genau weiss, was er da so gewollt hat. Aber für ihn ist das neu, der tut nix, der will nur spielen. Und Weihnachten ist das Fest der Liebe, da wollen wir mal nicht so sein. Frohes Fest, Herr Li! Und im Februar kannst Du Dich dann revanchieren und beschweren, dass wir ollen Bleichgesichter das Chinese New Year wieder nicht richtig feiern und falsch dekorieren.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Wo ist denn das jetzt?</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 02:27:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gut zu wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Wundersam]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn Herr Müller eine Party gab, hat er früher immer eine eine Karte gemalt, damit Herr Meier und Herr Schultze auch wussten, wo sie hin mussten.
Das war sehr hilfreich.
Nur war die Karte nach einiger Zeit und unzähligen Durchläufen auf dem Kopierer etwas schwer lesbar. Dann mussten Herr Meier und Herr Schultze manchmal anhalten und jemanden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Herr Müller eine Party gab, hat er früher immer eine eine Karte gemalt, damit Herr Meier und Herr Schultze auch wussten, wo sie hin mussten.<br />
Das war sehr hilfreich.</p>
<p>Nur war die Karte nach einiger Zeit und unzähligen Durchläufen auf dem Kopierer etwas schwer lesbar. Dann mussten Herr Meier und Herr Schultze manchmal anhalten und jemanden fragen.</p>
<p>Müller Junior hat es da heute etwas einfacher. Wenn seine Eltern mal auf einem Kegelausflug sind, schickt er einfach fix einen Link per Google Maps und die Fräuleins Meier und Schultze wissen genau, wo er wohnt. Keine Fragen offen.</p>
<p>Der Segen des Internets liegt für viele in den bestechend einfach zu bedienenden Karten-Applikationen von Google, Microsoft und dergleichen. Auf der Karte suchen, im Satellitenmodus kurz die Optik checken, alles ausdrucken und ab geht&#8217;s. Mann kann sich sehr schnell dran gewöhnen.</p>
<p>Bis, ja bis man in China ankommt. Für den nicht der Landessprache mächtigen ergibt sich ein bunter Strauss Probleme, von deren Existenz er nicht einmal zu Albträumen gewagt hat.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/nanluoguxiang.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1119" title="nanluoguxiang" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/nanluoguxiang-321x400.jpg" alt="nanluoguxiang" width="257" height="320" /></a>Ein klassischer Fall: Man bekommt noch in Deutschland die Adresse des Büros in Peking geschickt: 南锣鼓巷8号.<br />
Der eigene Rechner vermisst dummerweise den chinesischen Zeichensatz, so dass man nur kleine Quadrate sieht. Wahlweise auch viele Fragezeichen. [wenn dort oben keine chinesisch aussehende Adresse zu lesen steht, ist genau das auf dem PC des geneigten Lesers der Fall]. Man fragt nach und bekommt die Adresse nocheinmal, diesmal in Pinyin Schreibweise, also mit für westliche Augen lesbaren Buchstaben: 8nanluoguxiang.</p>
<p>Chinesiche Wörter werden ohne Leerzeichen aneinander gereiht. Die Dame im  Pekinger Büro klatscht also alles zusammen, wie sie es gewohnt ist. Groß- und Kleinbuchstaben gibt es bei ihr ja auch nicht.<br />
Man wundert sich,wie lang der Strassenname ist und ob das ein einziges Wort sei, kopiert ihn aber geschwind in Google Maps. Dort findet man prompt&#8230;nichts. &#8220;No results found&#8221; heisst es und das war&#8217;s.<br />
Also wieder Rückfrage im chinesischen Büro. Können die denn ihre eigene Adresse nicht?</p>
<p><span id="more-1091"></span><br />
Als Antwort kommt diesmal ein ersehnter Link zu Google Maps. Allerdings zur Google Maps China Seite, auf der gänzlich unüberraschend alles auf Chinesisch ist. Jetzt hat man zwar eine fröhliche rote Pinnadel im Bild, kann aber drumherum nur komische Striche sehen und fühlt sich auch nicht schlauer.<br />
Beim Umschalten auf Satellitenansicht wird es ganz kurios. Dort scheint die Nadel plötzlich ganz woanders zu stecken. Nach einigem Hin- und Herschalten zwischen Satellliten- und Kartenansicht ist man sich sicher: die Nadel springt munter umher. Da ist doch was kaputt. Wo ist denn das jetzt, verdammt noch mal?</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/nanluoguxian_writing.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1123" title="nanluoguxian Schreibweisen" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/nanluoguxian_writing-400x267.jpg" alt="nanluoguxian Schreibweisen" width="240" height="160" /></a>Man probiert es mit Google als Suchmaschine und tippt die Pinyin-Adresse ein. Nach einer Weile hat man alle möglichen Schreibweisen der Strasse auf diversen Blogs und Websites gesehen:<br />
Nanluo guxiang<br />
Nan luogo Xiang<br />
nanlu guoxiang<br />
Nan luo gu xiang</p>
<p>Und endlich &#8211; bei der letzten Variante will auch das internationale Google Maps mitspielen und wirft eine Nadel in den Heuhaufen. Die zeigt allerdings auf eine Strasse, auf der 南锣鼓巷 steht, obwohl alle anderen drumherum fein lesbar in Pinyin angezeigt werden. Ausserdem liest man noch S Luogu Alley. Klingt zwar ähnlich, aber so richtig dann auch wieder nicht. Da man die ursprünglich per Email geschickte Adresse leider nur als Rechtecke angezeigt bekommt, kann man die Schriftzeichen nicht vergleichen. So weiß man immer noch nicht sicher, ob der Ort stimmt. Aber ein Vergleich mit dem Link zur chinesischen Google Karte lässt Hoffnung aufkommen. Sieht ziemlich identisch aus. Nur Satellit ist auf beiden derart verschoben, dass es unnutzbar ist. (Kleine Anmerkung: Das hat der Herr Li veranlasst. Wegen der Staatssicherheit und so)</p>
<p>Und so druckt man halb zuversichtlich die in Pinyin geschriebene Adresse samt Karte aus und macht sich auf den Weg nach Pingpongland. Man glaubt eigentlich nicht, den Ausdruck zu benötigen, aber sicher ist sicher – falls der Taxifahrer nicht allzu gut des Englischen mächtig sein sollte.</p>
<p>Am Flughafen angekommen setzt man sich in einen der Knoblauchbomber und sagt dem Fahrer schon mal vorsichtshalber freundlich &#8220;to City Center please&#8221;, während man noch nach dem Ausdruck kramt. Ein solcher kommt prompt zurück und zwar im Gesicht des Höllenlenkers. Er schaut, als hätte man gerade den Krieg erklärt und erwidert ein militärisch abgehackt schroffes -áhh? Wenn man etwas Glück hat, artikuliert er sich sogar nachvollziehbar mit einem gällenden 什么？？ &#8211; nicht, dass einen das weiterbringt, aber Eloquenz ist Trumpf. Unterm Strich soll beides bedeuten: Du nix Chinesich, Du mächtig in der roten Tinte. Er kann kein schlechtes Englisch, er kann überhaupt gar keines. Nicht einmal Hoch-Chinesisch, sondern Muffelmandarin at best.</p>
<p>Gut, keine Panik, dafür hat man vorgesorgt. Flugs den Ausdruck nach vorn gereicht, die Karten mit der Nadel mittendrin. Der Ausschnitt mag klein sein, aber genügend Strassen sind drauf. Da sollte sich ein Taxifahrer wohl orientieren können. Was dann folgt ist das Schauspiel der dramatischen Distanzierung. So zumindest könnte der Titel lauten: der Fahrer hält den Zettel so weit wie möglich von sich entfernt, kneift die Augen zusammen, zieht ihn mehrere Male abrupt zu sich heran und wieder weiter weg, um ihn dann zurück zu reichen. Begleitet wird die Aktion von einer Schallmauer aus rückwärtsdrehenden texanischen Nebengassenkatharrismen. Allesamt wenig erfreut klingend, falls die Bemerkung notwendig sein sollte.</p>
<p>Der Fahrgast auf der Rückbank findet sich nun in einer Zwickmühle wieder: Soll er sich erst aufregen, dass der Kerl vorne seine Stadt möglicherweise nicht kennt oder gleich das Weite suchen, weil dieser äusserst dringendst eine Sehhilfe benötigt. Ob mit Zuzahlung oder ohne. Auf jeden Fall mit viel Dioptrin.</p>
<p>Man besinnt sich seiner guten Kinderstube und bleibt. Mit einem Finger auf der Straße sagt man noch &#8220;I want to go there. See? Right there&#8221;. Aber das ist bereits Makulatur, denn dass man dem Fahrer den Zettel nicht aus reiner Begeisterung für Grauschattierungen hingehalten hat, ist offensichtlich.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/just_take_me_there.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1128" style="margin-right: 5px;" title="just take me there" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/just_take_me_there.jpg" alt="just take me there" width="229" height="256" /></a>In diesem Moment macht es &#8216;klick&#8217; und man begreift, dass der wahrscheinlich die kleinen Buchstaben einfach nicht lesen kann. Zum Glück hat man ja das Pinyin und liest laut: &#8220;Nanluoguxiang&#8221;. Dabei gibt man sich Mühe, besonders fernöstlich zu klingen. Stolz blickt man nach vorne und in ein regungsloses Gesicht. Es scheint nicht nur, als hätte dieser den Strassennamen nicht verstanden, aus Erfahrung kann ich dem geneigten Leser sogar sagen, dass dieser in dem Moment nicht einmal gemerkt hat, dass das kein Englisch war. Ein Nachteil der Pinyin-Schreibweise ist nämlich, dass sie ausserhalb vom Sprachunterricht zumeist ohne die alles entscheidenden Betonungs-Akzente geschrieben werden. &#8221;nanluoguxiang&#8221; müsste korrekt &#8220;Nán luó gǔ xiàng&#8221; geschrieben werden.</p>
<p>Aber mal ehrlich &#8211; wer nicht weiss, wie man diese Betonungshilfen anwendet und wie man hierzulande die Buchstaben ausspricht, der steht auch damit im Regen. Sogar wenn er es weiss und es schon zweihundertdreiundsechzig Mal auf verschiedene Art und Weise ausgesprochen hat. Und es hilft auch wenig, dass es selbst auf den Strassenschildern falsch steht. Hier muss man irgendwann einsehen, dass Chinesen nicht nur so gut wie kein Verständnis für westliche Schreibkultur haben – es ist ihnen auch schlicht nicht sonderlich wichtig. Darüber sollten wir aber tunlichst hinwegsehen, denn wer in Deutschland kann sich schon die Strichabfolge eines chinesischen Schriftzeichens merken? Das ist Europäern wurscht. Schau an, wie ähnlich man sich ist.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/what.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1126" style="margin-right: 5px;" title="what?" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/12/what-400x300.jpg" alt="what?" width="280" height="210" /></a>Zurück im Taxi hat man nun also auf der einen Seite eine theoretisch les- und aussprechbare Version der Adresse in der Hand, kann diese aber nicht verständlich vorlesen und der Fahrer mit den lateinischen Buchstaben nicht viel anfangen. Auf der andere Seite hat man eine korrekte chinesische Schreibweise, die man nicht vorlesen kann und für den Fahrer zu klein zum Entziffern ist.</p>
<p>Die oben beschriebene Situation endet für gewöhnlich mit einem genervten Anruf bei der chinesischen Firma, in dessen Verlauf ein muttersprachlicher Angestellter dem Gangschalter Ziel- und Wegbeschreibung übermittelt. Für eine halbe Stunde teilen sich danach zwei Menschen ein Fahrzeug, die sich gegenseitig für den größten Idioten auf dem Planeten halten.</p>
<p>Jetzt könnte man argumentieren, dass man daraus lernen und in Zukunft besser ausgestattet in ein Taxi steigen kann. Leider jedoch ist jede Vorbereitung der Willkür von Chinglisch, Denglisch und jeder freien Kombination dieser Sprachen und Sprachverständnissen mit Pinyin vermischt ausgesetzt. Da liest man in einem Dokument &#8220;Guanghua Rd.&#8221;, wobei Rd. natürlich die englische Abkürzung für Road ist. Diese sagt aber keinem Fahrer etwas. Der kennt nur die &#8220;guāng hua lù&#8221;, weil die nunmal so heisst. In Hamburg gibt es immerhin auch keine &#8220;Mönckeberg street&#8221;, sondern nur eine &#8220;Strasse&#8221; mit diesem Namen. &#8220;Di&#8217;anmen West St.&#8221; verwirrt z.B. auch eher, als dass es hilft, auch wenn es zumindest die Namensteile erklärt, . Die Strasse heisst &#8220;Di&#8217;anmen xī dà jiē&#8221; und wird wegen Unverständnis gern auch mal &#8220;Di&#8217;anmen xidajie&#8221; geschrieben, was wiederum Google Maps hilflos macht.</p>
<p>Die Möglichkeiten, Pinyin und Englisch zu kombinieren, zusammen- und auseinander zu schreiben sind so endlos wie in der Praxis unverständlich. Man ist gut beraten, sich jede Adresse schön groß in chinesischen Schriftzeichen aufschreiben zu lassen, falls man sie nicht fehlerfrei aussprechen kann. Und das kann man in den seltendsten Fällen. An vielen Strassenrändern sieht man Auländer im Taxi sitzen und auf der Rückbank den Zappelphillip geben, weil selbst die 22ste Version des Begriffs &#8220;Jiā lì zhōng xīn&#8221; beim Fahrer keine Glocke klingeln lässt. Dabei ist das noch ein verhältnismässig einfaches Ziel, denn das Kerry Center, so der englische Name, kennt praktisch jeder. Zudem sollte das Handy mit Kontakt zu einem Einheimischen immer griffbereit sein. Das gilt sogar für die großen Sehenswürdigkeiten. Die Begriffe &#8220;Forbidden City&#8221; oder &#8220;Summer Palace&#8221; lassen für gewöhnlich keine Gefühlsregung beim Droschkenlenker erkennen. Und wenn der Kollege am Telefon dann seinen Teil getan hat, wiederholt der Fahrer fröhlich &#8220;Jiā lì zhōng xīn? Méi wèn tí.&#8221; und braust los. An dem Punkt ist man bereit aus dem Fenster zu springen, denn genau so hat man es ihm unzählige Male vorgebetet.</p>
<p>Aber selbst wenn man für alle Fälle gerüstet ist und sogar einen patentierten Falkplan ausbreiten könnte, um das Ziel anzuzeigen, ist man nicht vor der letzten Falle gefeit: einem Neuling im Taxigeschäft gegenüber zu sitzen. Dieser kommt in 100% der Fälle nicht aus Peking und kennt die Stadt in der Tat noch weniger als man selbst. Also muss man diesen verbal zum Ziel leiten. In Chinesisch wohlgemerkt. &#8220;Left&#8221; und &#8220;Right&#8221; hat er noch nie gehört. Diese Situation sollte man schnellstens erkennen, wenn man nicht stundenlang umher irren will. Aufgrund mangelnder Sprachkenntnis und Angst vor Gesichtsverlust fährt dieser nämlich einfach zögernd los und zwar in irgendeine Richtung. Er hofft, der Gast würde irgendwann etwas Bekanntes wieder erkennen und sich dann mit Richtungshinweisen melden. Dieser sitzt jedoch hinten und weiss auch nicht, wo er ist. In dem Moment geht die Nadel dann vollkommen im Heuhaufen der Stadt unter.</p>
<p>Und so versteht man vielleicht schon eher die alltägliche Situation des abwinkenden Fahrers, der eine Tour verweigert. Wer will sich schon freiwillig mit diesen hilflosen Ausländern herumschlagen, die nicht einmal erklären können, wo sie hin wollen?</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Mal mir mal &#8216;ne Bedeutung</title>
		<link>http://www.17eleven.com/china/2009/11/25/mal-mir-mal-etwas-bedeutung/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Nov 2009 05:10:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gut zu wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;a, e, i, o, u&#8221; – ein Vokal hat es gut bei uns. Als warm wird er empfunden, als ehrlich und angenehm. Die deutsche Sprache ist voll von Vokalen. Ließe man sie weg, wäre man schnell bei Tschechisch, ukrainisch oder Südpolnisch. Und das klingt in unseren westlichen Ohren hart und unangenehm.
Gut, Konsonanten braucht es auch. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;a, e, i, o, u&#8221; – ein Vokal hat es gut bei uns. Als warm wird er empfunden, als ehrlich und angenehm. Die deutsche Sprache ist voll von Vokalen. Ließe man sie weg, wäre man schnell bei Tschechisch, ukrainisch oder Südpolnisch. Und das klingt in unseren westlichen Ohren hart und unangenehm.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/11/aeiou.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1102" title="aeiou" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/11/aeiou.jpg" alt="aeiou" width="376" height="132" /></a>Gut, Konsonanten braucht es auch. Würde man diese weglassen, klänge ein jeder von uns wie ein sabberndes brabbelndes Baby. Niedlich zwar, aber wenig sinnvoll für die Verständigung.</p>
<p>Der Vorteil an der Kombination der beiden ist unübersehbar. Es lässt sich damit beinahe jedes Wort so niederschreiben, dass der Nachbar es phonetisch reproduzieren kann. (wir lassen hier einmal kultur- und dialektbedingte Unterschiede in der Aussprache ausser Acht)</p>
<p>Ein weiterer, oft vernachlässigter Vorteil dieses Systems ist die Möglichkeit, neue Worte zu erfinden, die wiederum andere direkt lesen und aussprechen können. Und durch Ableiten von Wortähnlichkeiten können sie in diesen neuen Begriffen sogar oftmals sofort Sinn erkennen. &#8220;Fluxkompensator&#8221; beispielsweise. Dieser scheint einen irgendwie gearteten Fluss auszugleichen. Vielleicht weiss man zunächst nicht mehr als das, ist aber zumindest schon einmal darüber informiert, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um ein Frühstücksei handelt.</p>
<p>Ein Nachteil des Buchstaben-Reigens ist die absolute Notwendigkeit, jeden Ton durch einen Alphabet-Teilnehmer repräsentieren zu lassen. Das führt dann gerne mal zu Bandwürmern wie diesem hier: &#8220;Suppenlöffelstielholz&#8221;. Das erfahrene Plappermaul sieht hier 4 Wörter in einem. Der weniger erfahrene hingegen muss sich durch 21 aneinander gereihte Buchstaben kämpfen. Und beide bekommen leichte Verspannungen im Handgelenk, wenn sie das Wort zehnmal aufschreiben sollen.</p>
<p>Unser Herr Li hat hier ebenso wie Herr Nakamura und andere Mitspieler des Linguistik-Clubs &#8220;Welt SüdOst&#8221; ein anderes System erdacht. Kaya Yanar würde es sicherlich als &#8220;Guckst Du, dann weisst Du&#8221; bezeichnen und träfe mitten in die schwarze Tinte. Nun, wenn man denn weiss, <em>wie</em> man gucken muss.</p>
<p>Die chinesischen Schriftzeichen sind von der Grundidee her weniger abstrakt als unser Alphabet, da sie Logogramme, also Wortbilder sind. Höhlenmalerei deluxe sozusagen. Im Laufe der Jahrtausende haben diese Logogramme jedoch eine ganze Reihe an Schriftreformen und optischen Vereinfachungen hinter sich. Die heute verwendeten Symboliken sind für das ungeübte Auge kaum mehr als Wortbilder zu erkennen. Natürlich liegt das auch daran, dass man die historische Genese der Kombinationslogik verschiedener Symbole nicht kennt oder nachvollziehen kann. Manches jedoch ist so bestechend einfach, dass man sich ein Schmunzeln nicht verwehren kann.</p>
<p><span id="more-1093"></span></p>
<p>Ein Beispiel:</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/11/woman.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1095" title="Chinese character: woman" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/11/woman.jpg" alt="Chinese character: woman" width="113" height="126" /></a>Das Wort für &#8216;Frau&#8217; oder &#8216;weiblich&#8217; lautet &#8216;nǚ&#8217;. Das dazugehörige Symbol sieht so aus:</p>
<p>Man muss sich das jetzt wie eine auf dem Boden kauernde Frau vorstellen, ein Knie angewinkelt auf dem Boden, ein Knie aufrecht. Den Arm auf dem aufrechten Knie und den Kopf verträumt darauf gelegt. Es ist schon erstaunlich, wieviel Romantik-Kitsch in vier Strichen liegen kann, die ohne dieses Wissen maximal als &#8216;Gekritzel&#8217; gelten würden.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/11/child.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1096" title="Chinese chracter: child" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/11/child.jpg" alt="Chinese chracter: child" width="110" height="105" /></a>Eines der Begriffe für &#8216;Kind&#8217; lautet &#8216;zi&#8217; und der Wortstamm schreibt sich wie folgt:</p>
<p>Zu diesem Zeichen habe ich die historische Grundlage nie gesehen, aber ich stelle es mir wie eine Seitenansicht eines Kindes vor. Mit zu großem Kopf, unten die Füße und dabei die Arme ausgestreckt, weil es noch wackelig auf den Beinen ist.</p>
<p>So, und jetzt wird&#8217;s lustig.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/11/good.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1097" title="Chinese character: good" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/11/good.jpg" alt="Chinese character: good" width="105" height="108" /></a>Das chinesische Wort für &#8216;gut&#8217; lautet &#8216;hao&#8217;. Das dazugehörige Symbol ist dieses:</p>
<p>Wie unschwer zu erkennen ist, hat es der Worterfinder also als &#8216;gut&#8217; empfunden, wenn man Frau und Kind hat. Eine leicht nachvollziehbare Kreation. Und hier beginnt man zu verstehen, wie Logogramme funktionieren. Die beiden Zeichen sind übrigens etwas gequetscht, da sie zusammen nicht zwei, sondern ein einziges Symbol bilden und die quadratische Maximalfläche eines Zeichens einhalten müssen.</p>
<p><a href="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/11/peace.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1098" title="Chinese character: peace" src="http://www.17eleven.com/china/wp-content/uploads/2009/11/peace.jpg" alt="Chinese character: peace" width="102" height="104" /></a></p>
<p>Und nun mein heimliches Highlight &#8211; das Wort für Stille oder Frieden. Ausgesprochen wird es &#8220;ān&#8221; und das zugehörige Symbol ist dieses:</p>
<p>Man erkennt es eigentlich sehr leicht. Über der jungen Dame befindet sich ein Dach und damit weiss man gleich was los ist: verträumte Frau zuhause = Ruhe &amp; Frieden. Fragt sich nur, ob der Mann seinen Frieden gefunden hat, weil er gemeinsam mit einer Frau zuhause ist oder weil er Baijio kippend in der nächsten Spelunke hockt und Madame hinterm Herd steht und somit keinen Stress macht. Aber hier interpretieren wir vielleicht zu viel.</p>
<p>Natürlich sind nicht alle Wörter so leicht zu verstehen. &#8216;Bruttosozialprodukt&#8217; etwa dürfte deutlich schwieriger herzuleiten sein. Dennoch KANN man sie alle herleiten. Und wenn man das erstmal weiss, ist so ein fernöstliches Logogramm auch gleich viel sympathischer. Vielleicht sogar sympathischer als ein Haufen Konsonanten und Vokale.</p>
<p>Einzig die Aussprache will schwerlichst erlernt werden. Hinweise in den Zeichen gibt es nur versteckt. Und gänzlich neue Begriffe zu erfinden ist enorm schwierig. Man muss Herleitungen finden, die in dieser Kombination nicht aus Versehen  ein anderes der tausenden existierenden Symbole darstellen. Vor einigen Jahren war es in China Trend, für den Nachwuchs einzigartige Namen zu finden. Sprachexperten wurden teuer bezahlt, um nie dagewesene Schriftzeichen zu erdenken. So konnte man etwas aus der Masse der Millionen anderen Lis, Zhangs und Zhus herausstechen.</p>
<p>Viele dieser Kinder leiden heute unter der Tatsache, dass nicht nur niemand ohne Nachfrage ihren Namen aussprechen kann. Sie stehen zudem vor einem viel größeren Problem: Die besonderen Schriftzeichen sind in keinem Computer-Sprachschatz enthalten. Damit können sie nirgendwo ihren Namen angeben, wo er elektronisch erfasst werden soll. Und so werden die teuer erkauften Einzigartigkeiten wieder aufgegeben, und man sucht sich bekanntere Schreibweisen oder ändert gleich den ganzen Namen.</p>
<p>Sich ein unbekanntes, aber standardmäßiges Symbol zu erarbeiten ist übrigens nicht unmöglich. Dafür gibt es extra ein Lexikon-System, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andernmal erzählt werden.</p>
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